Ein Wettbewerbsbild des Siegerprojekts aus dem Jahr 2004

Kunstmuseum Lausanne: Offener Brief der einstigen Gewinner

Der Kanton Waadt hat im Juli nochmals einen Wettbewerb für das Kunstmuseum gestartet, nachdem das Projekt von Berrel Wülser Kräutler aus dem Jahr 2004 an der Urne gescheitert war.

Der Kanton Waadt hat im Juli nochmals einen Wettbewerb für das Kunstmuseum gestartet. Nachdem das Projekt von Berrel Wülser Kräutler aus dem Jahr 2004 an der Urne gescheitert war, versucht es der Kanton nach einer langen Standort-Evaluation neben dem Bahnhof auf dem Areal des SBB-Lokomotivdepots. Das Museum soll damit nicht mehr direkt am See liegen. Er schrieb einen selektiven Ideenwettbewerb aus. Auch die einstigen Gewinner  des damaligen noch offenen Wettbewerbs bewarben sich für die Teilnahme (heute heisst das Büro Berrel Berrel Kräutler). Die Jury wählte 18 Büros aus, verweigerte aber den einstigen Gewinnern die Teilnahme. Mitmachen werden:
Harry Gugger, Basel
Nieto Sobejano, Madrid
Allied Works, New York
Jessenvollenweider und Kuehn Malvezzi, Basel/ Berlin
EM2N, Zürich
Gigon/Guyer, Zürich
Kengo Kuma, Tokio
Caruso St John, London
51N4E, Brüssel
Bernard Tschumi, New York
Durisch + Nolli, Lugano
Morger + Dettli und  Bearth & Deplazes, Basel/Chur
Sergison Bates und J.-P. Jaccaud, London/Genf
Souto Moura, Porto/Lausanne
Ueli Brauen und Doris Wälchli, Lausanne
Durrer Linggi, Zürich
Borozzi Veiga, Barcelona
Made in und Tekhne, Genf/Lausanne
Am 22. Dezember, nach Ablauf der Rekursfrist, haben Maurice Berrel und Raphael Kräutler einen offenen Brief an den Kanton geschrieben, auf den sie bisher keine Antwort erhalten haben:
«Sehr geehrte Frau Cantalou, sehr geehrter Herr Pont, Sehr geehrte Damen und Herren,
Mit grosser Überraschung und Bestürzung haben wir Ihrem Schreiben vom 20.10.2010 entnommen, dass wir nicht die Möglichkeit bekommen werden, am Wettbewerb für das Nouveau Musée Cantonal des Beaux Arts teilzunehmen.
Als Autoren des Siegerprojektes des nach SIA 142 durchgeführten Wettbewerbes von 2004 sind wir selbstverständlich davon ausgegangen, dass wir für den geplanten Wettbewerb eingeladen werden.
Nachdem wir uns im anonymen Wettbewerb im Jahr 2004 gegen 249 Teams durchsetzen konnten, haben wir zwischen 2005 und 2008 über zweitausend unbezahlte Arbeitsstunden und viel Herzblut in das Projekt des Nouveau Musée Cantonal des Beaux Arts investiert. Bis zur Volksabstimmung Ende November 2008 haben wir im Auftrag des Kantons und des Nutzers mit grossem Aufwand das Projekt weiterentwickelt. Die Bezahlung der dafür notwendigen Spezialisten erfolgte teilweise durch unser Büro.
Die Tatsache, dass wir den Wettbewerb 2004 gewonnen haben und die anschliessende intensive Projektarbeit lassen nur den Schluss zu, dass wir für die Teilnahme an dem geplanten Wettbewerb qualifiziert und berechtigt sind. Der Ausschluss aus dem Verfahren ist nicht nachvollziehbar.
Natürlich akzeptieren wir den Volkswillen der Abstimmung vom November 2008, dass in nächster Zukunft kein Museum am Bellerive entstehen wird. In der Volksabstimmung ist es nicht gelungen, die Qualitäten unseres Projektes einer Mehrheit der Bevölkerung des Kantons Waadt ausreichend zu vermitteln. Dass wir nun nicht einmal die Chance bekommen, einen Vorschlag für den neuen Bauplatz zu entwickeln, müssen wir als Respektlosigkeit gegenüber uns, allen Teilnehmern und Beteiligten, Jurymitgliedern und Organisatoren des Wettbewerbs von 2004 und der Arbeit der Architekten als solches interpretieren. Gerne bitten wir Sie um eine Stellungnahme.»

Kommentare

Martin M. 18.01.2011 09:21
Was ist die Haltung der Architekten in der Jury (siehe unten) zu dieser Frage? Berufsethos und dergleichen, noch nie gehört? Man darf gespannt sein auf deren Antwort. M. David Chipperfield Mme Geneviève Bonnard, architecte EPFL M. Patrice Bulliard, chef du service d’urbanisme de la Ville de Lausanne Mme Stéphanie Cantalou, EPFL, Lausanne M. Patrick Devanthéry, architecte EPFL M. Francisco Aires Mateus M. Aurelio Muttoni, ingénieur en génie-civil EPFZ, professeur EPFL M. Charles Pictet, architecte EAUG M. Laurent Staffelbach, architecte EPFL, CFF Immobilier
Daniel Jauslin 18.01.2011 13:57
"Der Ausschluss aus dem Verfahren ist nicht nachvollziehbar" ... auch ich bin "gespannt auf die Stellungname." Ein neues Kapitel aus dem Endlosen Drama "Der Architektenwettbewerb als Brennholzliferant für schlechte Politikerpläne".
Harald Mehus 18.01.2011 20:07
... auch die internationale Fachwelt (hier eine interessierte Stimme aus Österreich) kann an einem spannenden Beispiel aus der Schweiz dazu lernen. Entwicklung und Ausschreibung von offenen Architekturwettbewerben und (in der Folge) tatsächlich zivil-couragierte und faire Entscheidungen und Vorgangsweisen verlangen (dies liegt auf der Hand) deutlich mehr als nur selektives Bewusstsein. Die von Jury und Kanton schon erbetene Stellungnahme wird zwar den 'katastrophal-kantonalen' Eindruck nicht mehr korrigieren, könnte aber Bewusstseins-bildend und Beispiel-gebend wirken - auch ich "bin gespannt." - H. Mehus
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