Fotomontage Fotos: © nightnurse images, Zürich

Gymnasium Menzingen

Bünzli & Courvoisier Architekten gewinnen den Projektwettbewerb für die Erweiterung des Gymnasiums in Menzingen. Simon Courvoisier wählt für Hochparterre fünf Visualisierungen und vier Pläne aus und beantworten unsere drei Fragen.

Bünzli & Courvoisier Architekten gewinnen den Projektwettbewerb für den Umbau und die Erweiterung des Gymnasiums in Menzingen. Simon Courvoisier wählt für Hochparterre fünf Visualisierungen und vier Pläne aus und beantworten unsere drei Fragen.

Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Simon Courvoisier: Das ehemalige Lehrerinnenseminar der Architekten Hafner, Wiederkehr, Brütsch und Stadler ist ein ausserordentlich schönes Beispiel der Architektur der 1950er-Jahre in der Schweiz. Die Anlage überzeugt durch die Inszenierung ihrer exponierten Lage, der stimmigen Anordnung der fünf stark individualisierten Gebäude um eine kreuzgangartige Mitte und ganz besonders durch den präzisen Einsatz der verwendeten Materialien und Konstruktionen. Unsere Projekt übernimmt die städtebaulichen und architektonischen Gestaltungsprinzipien für die Entwicklung der beiden Neubauten. Dadurch und durch die möglichst unveränderte Dimensionierung der Bauten können die bestehenden und neuen Gebäude erneut zu einer Einheit zusammenwachsen.
Anders als im Wettbewerbsprogramm teilweise beschrieben räumen wir der materiellen Substanz der bestehenden Bauten höchste Priorität ein. Der Erhalt und die Wiederherstellung der originalen Oberflächen sowohl im Inneren wie auch im Äusseren ist für die Erreichung der denkmalpflegerischen und architektonischen Ziele unerlässlich. Dies gilt besonders für die weiss geschlemmten Sichtbetonfassaden bei Kapelle, Schultrakt und Mensa.

Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Im ländlichen Umfeld der Anlage zeigen sich die wesentlichen Grundströmungen der «neuen» Gestaltungssprache Ernst Cramers aus den 1950er-Jahren eindrucksvoll: Die einerseits radikale Verwendung neuer Materialien in der Landschaftsarchitektur, der streng geometrisch skulpturale Umgang mit der Topografie und eine neue Grosszügigkeit in der Gestaltung mit Flächen und Räumen. Andererseits die Verwendung von traditionellen Materialien des Schweizer Gartenstils und die Berücksichtigung der umgebenden Hirzel-Landschaft, die fast durch das Ensemble zu fliessen scheint.
Aufgrund des auch heute noch in seinen grundsätzlichen Elementen und Details erhaltenen Gartens beschränken sich unsere Eingriffe auf eine Restaurierung und Sanierung der Anlage. Nur vereinzelt werden einige Anpassungen oder Ergänzungen vorgenommen. Das Entrée zum Beispiel soll wieder auf seine ursprüngliche Gestaltung zurückgeführt und von den im Laufe der Zeit ergänzten Funktionen wie der Parkierung befreit werden. Der Platz wird somit wieder kraftvolle Schwelle zwischen der Landschaft und dem baulichen Ensemble.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Wichtigste und nicht einfach zu beantwortende Frage bei der Entwicklung des Projekts war die nach dem angemessenen Umgang mit der bestehenden Bausubstanz auf städtebaulicher, architektonischer und konstruktiver Ebene. Stellvertretend dafür steht zum Beispiel das Farbkonzept: Eine Vielfalt interessanter Eigenfarben von verwendeten Materialien und bewusst gesetzten Farboberflächen sind im baulichen Bestand wahrnehmbar. Die Stimmungsbilder wollen wir beim Umbau der Mensa, der Verbindungstrakte, der Aula und des Schulhaustraktes, innen und aussen, im Sinne der Denkmalpflege wieder sorgfältig herstellen und bei den Neubauten Klassentrakt und Turnhallen im Sinne der ursprünglichen Substanz weiterentwickeln. Die Gestaltungsidee dabei: die gesamte Schulanlage wird durch die einheitliche Gestaltungssprache, die sich aus dem ursprünglichen Bestand entwickelt, zusammengefasst.

Umbau und Erweiterung Gymnasium Menzingen

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren mit acht Architekturbüros für den Kanton Zug.
– 1. Rang: Bünzli & Courvoisier Architekten, Zürich, mit b+p Baurealisation, Zürich, Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich, Aerni+Aerni Ingenieure, Zürich, Meierhans & Partner, Schwerzenbach, Ingenieurbüro Bösch, Unterengstringen, Hefti Hess Martignoni, Aarau, und Bakus Bauphysik & Akustik, Zürich.
– 2. Rang: pool Architekten, Zürich.
– 3. Rang:Froelich & Hsu Architekten, Zürich.

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