Das neue Dach in der Mitte der Schulanlage Fotos: Holzhausen Zweifel Architekten

Ein Dach in der Mitte

Holzhausen Zweifel gewinnen den Wettbewerb für die Erweiterung der Berufswahl- und Weiterbildungsschule in Wetzikon. Die Architekten beantworten unsere drei Fragen.

Holzhausen Zweifel gewinnen den Wettbewerb für die Erweiterung der Berufswahl- und Weiterbildungsschule in Wetzikon. Sebastian Holzhausen und Hannes Zweifel beantworten unsere drei Fragen.

Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Anstatt erfinden zu wollen begegnen wir Aufgaben immer mit dem Selbstverständnis, dass in der Architektur alles schon einmal in irgendeiner Form ausformuliert wurde.
Beim neuen Verbindungsbau dienten uns die bewährten schulischen Typologien von gedeckten Aufenthaltsbereichen und Verbindungsgängen als Analogie. Den neuen Verbindungsbau als zentralen Begegnungsort verstanden wir vielmehr im Sinne eines informellen Orts des Austauschs unter Schülern mit dem Charakter eines Pausenhofs. Also eher als einen Teil des Aussenraums über dem wir ein schützendes Dach aufspannen.
Dieser Rückgriff  auf und die Weiterverwendung von Vorhandenem ging in Wetzikon so weit, dass wir die bestehenden Bauten als statisch nutzbare Elemente miteinbezogen. Die durchgehende Rückwand des vorhandenen Untergeschosses dient als Fundament für unsere neue Stützenreihe, der darauf liegende, sichtbar diagonal ausgesteifte Kassettenträger wird zur Queraussteifung dann wiederum an die Seitenwände der flankierenden Häuser rückgebunden. Diese Strategie erlaubte uns dann eine Konzentration auf die wesentliche Aufgabe: dem Zentrum ein Dach geben.

Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Die bestehende Schulanlage ist ein fein austariertes Ensemble von zwei alten und zwei neueren Gebäuden, die mit ihrer muralen und massiven Präsenz gesamthaft als Orte für konzentrierten Unterricht in Erscheinung treten.
Wie bereits erwähnt wollten wir dem etwas entgegensetzen das sich in seiner Beziehung zum Aussenraum viel offener und in seiner inneren Ausgestaltung viel informeller verhält. Mehr Pausenhalle anstatt Unterrichtsraum. Ausserdem war uns wichtig, dass das bestehende Ensemblespiel durch unsere Intervention nicht ins Ungleichgewicht gerät.
Daher setzten wir uns bereits früh in der Bearbeitung das Ziel einen möglichst zurückhaltenden, offenen und leichten Ausdruck für den Neubau zu finden und den Bezug zum Bestand eher über Materialität und Farbigkeit herzustellen. Über die gewählte Struktur ergibt es sich, dass die gesamte Fassade des Verbindungsbaus stützenfrei bleibt und ihr jegliche Massivität genommen wird. Im Innern entsteht dagegen eine stärkere, strukturell bedingte Präsenz des Betons, worüber wiederum die Materialität der flankierenden, neueren Bestandsbauten in reduzierter Anwendung weitergeführt wird.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Die schwierigste Herausforderung bestand sicher darin den grössten Teil des Raumprogramms so in den bestehenden Bauten zu organisieren, dass der neue Verbindungsbau als kompaktes Volumen möglichst zurückhaltend in Erscheinung tritt und gleichzeitig einen möglichst grossen, offenen Begegnungsort beinhalten kann. Durch die maximale Ausnutzung des bestehenden unterirdischen Verbindungsbaus konnten wir den oberirdischen Neubau räumlich komplett freispielen. Der vorhandene Lichthof erlaubte es uns hier glücklicherweise im Untergeschoss auch einen zu belichtenden Arbeitsbereich wie die neue Mensaküche anzuordnen.

Sanierung und Erweiterung Berufswahl- und Weiterbildungsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren mit 6 Teilnehmern für die Sekundarschulpflege Wetzikon-Seegräben

1. Rang

Holzhausen Zweifel Architekten, Zürich

2. Rang

horisberger wagen architekten, Zürich

3. Rang

Froelich & Hsu Architekten, Zürich/Brugg

Weitere Teilnehmer

– kimlim architekten, St. Gallen

– Pardeller Putzer Scherrer Architekten, Bozen (I)

– 4 plus architektinnen, Uster

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