Die Architekten stricken den Bestand weiter: Visualisierung der Erweiterung. Fotos: Conex Architekten (Visualisierungen)

«Ansetzen und setzen»

Das Büro Bürgi Schärer gewinnt den Wettbewerb für die Erweiterung einer Primarschule in Bolligen. Die Architekten beantworten unsere drei Fragen.

Das Architekturbüro Bürgi Schärer gewinnt den Wettbewerb für die Erweiterung der Primarschule Lutertal in Bolligen. Hanspeter Bürgi und Stefan Schärer beantworten unsere drei Fragen.

Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Hanspeter Bürgi und Stefan Schärer: Im Kennwort «an_setzen» ist unsere Idee verdichtet formuliert. Es geht gleichermassen um Ansetzen wie um Setzen. Wir nehmen mit unserem Wettbewerbsentwurf die bestehende Raumstruktur des Schulhauses auf, führen diese mit einer subtilen Transformation weiter und schaffen dadurch eine hohe Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig widerspiegelt unsere Haltung eine klare Setzung für den spezifischen Ort. Das Ensemble der abgewinkelten und abgestuften Gebäudeteile wird zwar weiter entwickelt, findet jedoch mit einer Querstellung auch einen Abschluss. Die Innen- und Aussenräume werden in ihrer Kleinteiligkeit, in einem kindergerechten Massstab erlebbar und gleichzeitig als identitätsstiftendes Ganzes verstanden.

Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Die terrassenförmig angelegte Schulanlage – angrenzend an ein Wohngebiet, mit starkem Bezug zum landwirtschaftlich geprägten Lutertal – hat bereits hohe Aussenraum- und Aufenthaltsqualitäten. Mit der Erweiterung wird die topographische Lage durch die verschiedenen Höhenniveaus und die Bezüge zu den anliegenden Siedlungs- und Landschafträumen verstärkt wahrgenommen und als Gesamtanlage erlebbar. Mit dem Abbruch der Hauswartswohnung werden insbesondere der zentrale Pausenplatz und die tiefer gelegenen Sportanlagen räumlich verbunden. Dabei wirkt der querstehende neue Gebäudeteil mit Tagesschule und Lehrerinnenzimmer sowohl begrenzend als auch räumlich vermittelnd und schärft den «Bildausschnitt» zur Landschaft.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Aus ortsbaulichen und bautypologischen Analysen haben wir relativ früh konzeptionelle Schlüsse gezogen. Die Bedürfnisse der Nutzenden, ein komplexes Raumprogramm im Spannungsfeld von Bestand und neuen betrieblichen und räumlichen Anforderungen sowie die Ansprüche an ökonomische Lösungen verlangten viel Detailarbeit im Entwurfsprozess. Dabei galt es ein eher kleines Neubauprogramm in einem geometrisch zwar einfachen, jedoch räumlich vernetzten Grundriss auf vier Ebenen zu einem sinnvollen Ganzen zu verbinden. Wirtschaftliche Zirkulationsflächen und ein «richtig» gesetzter Liftstandort erwiesen sich als wichtige funktionale Elemente. Ein inneres Weg-Platz-Netz schafft nun durch horizontale und vertikale Bezüge sowie gezielte Lichteinfälle gute Orientierung und stimmige Lern- und Aufenthaltssituationen. Und da liegt ein wesentlicher Aspekte der Nachhaltigkeit, die wir anstreben.

Erweiterung Primarschule Lutertal, Bolligen

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren mit neuen Büros für die Gemeinde Bolligen.
– 1. Rang: Bürgi Schärer Architektur und Planung, Bern, mit Klötzli + Friedli Landschaftsarchitektur, Bern, Conex Architekten, Bern
– 2. Rang: alb architektengemeinschaft, Bern
– 3. Rang: matti ragaz hitz architekten, Liebefeld-Bern
– 4. Rang: wbarchitekten, Bern
– 5. Rang: Niedermann Sigg Schwendener Architekten, Zürich

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