Das sanierte Wohnhaus in Solothurn aus dem Jahr 1981. Fotos: Fotoatelier Spring
Im Auftrag von Schmidlin

Wannen in Zentimeterschritten

Unterschiedliche Grundrisstypen und beträchtliche Massabweichungen in eigentlich identischen Räumen erforderten bei der Sanierung in Solothurn massgeschneiderte Duschwannen.

Das Mehrfamilienhaus am Fichtenweg 30-36 am Rand von Solothurn stammt aus dem Jahr 1981. Im Flachdachbau sind an vier Treppenhäusern insgesamt 32 Wohnungen eingerichtet. Im Auftrag der Credit Suisse Anlagestiftung Real Estate Switzerland als Eigentümerin sanierten E + P Architekten 2018 die Nasszellen und die Küchen sowie die Fassade. Die Sanierung wurde in bewohntem Zustand durchgeführt, was eine sorgfältige Planung und eine termingerechte Realisierung unabdingbar machte.

Der Grundriss offenbart die unterschiedlichen Nasszellen.

Die Architekten bauten die Badezimmer so um, dass sie alte Steigzonen aufheben und die Räume dadurch grosszügiger gestalten konnten. Alle Bäder sind nun mit bodenebenen Duschwannen ausgestattet. Da die Nasszellen in den unterschiedlichen Grundrisstypen variierten, waren von vornherein massgeschneiderte Lösungen nötig. Dazu kamen die beträchtlichen Massabweichungen in übereinanderliegenden und also eigentlich identischen Räumen: Bis zu fünf Zentimeter differierten die Masse von Geschoss zu Geschoss. Würde man in so einem Fall einfach Standardwannen einbauen, gäbe das aufwendige Anpassungsarbeiten mit Materialwechseln an den Übergängen, und zudem wären diese unschönen und verschmutzungsanfälligen Partien in jeder Wohnung anders. Die ‹Vario›-Wannen von Schmidlin hingegen konnten passend für jede spezifische Situation hergestellt werden.

Dusche Typ 1: 4 Stück.

Dusche Typ 2: 4 Stück.

Die genauen Masse der einzelnen Duschwannen wurden nicht vorgängig am Zeichentisch (oder vielmehr am Bildschirm) definiert, sondern direkt auf der Baustelle – und zwar erst nach Abbruch der alten Einbauten. So war gewährleistet, dass keine Überraschungen mit unangenehmen Folgen zum Vorschein kamen. Nachdem die bestehenden Bäder abgebrochen waren, zeichneten der Sanitärinstallateur und der Gipser die neuen Räume auf dem Boden auf, sodass der Sanitär die Masse nehmen und die Wannen bestellen konnte. Da die Mieterinnen und Mieter weiterhin in ihren Wohnungen lebten, war die garantiert kurze Lieferfrist der zentimetergenau hergestellten ‹Vario›-Wannen ein Vorteil: zehn Tage im Normalfall, gar nur vier Tage mit der Option ‹Subito›. Die Bauarbeiten im Mehrfamilienhaus waren so getaktet, dass die Handwerker ohne Unterbruch vom ersten bis zum achten und letzten Steigstrang durcharbeiten konnten. Die Bewohnerinnen und Bewohner mussten also nur für kurze Zeit ohne Bad und Küche auskommen.

Dusche Typ 2-2: 4 Stück.

Dusche Typ 3: 8 Stück.

Dusche Typ 5: 4 Stück.

Neben dem ‹Vario›-Bereich, bei dem die Masse in Zentimeterschritten bestimmt werden können, bietet Schmidlin auch Spezialanfertigungen an, bei denen sich die Masse in Millimeterschritten definieren lassen. Auch abweichende Formen wie abgeschrägte oder abgerundete Ecken und anderes sind möglich. Das dauert dann etwas länger. Das Rohprodukt ist bei allen Ausführungen eine titanlegierte Stahlplatte. Mit 630 Tonnen Druck gibt die Tiefziehpresse der Platte ihre Form. Anschliessend werden Ab- und Überläufe gestanzt, falls nötig zusätzlicher Stahl angeschweisst oder die Wanne zugeschnitten.

Die massgenauen Duschwannen und die grossflächige Verglasung lassen die Nasszellen grosszügig erscheinen.

Die kratz- und säurebeständige Oberfläche erhalten die Dusch- und Badewannen durch die Emaillierung. Dafür werden Borax, Feldspat, Quarz, Soda, Aluminiumoxid und weitere Metalloxide zu Email-Fritten geschmolzen. Dieses Zwischenprodukt wird mit Wasser und Ton vermischt und zu Email-Schlicker gemahlen, der nass auf die Stahlwannen gespritzt und bei 850 Grad im Durchlaufofen eingebrannt wird. Dabei verbindet sich das Grund-Email mit dem Stahl zu einem Verbundwerkstoff. Darauf wird eine zweite Email-Schicht aufgetragen, die den Wannen ihre Farbe und ihre Oberflächeneigenschaften verleiht. Am Fichtenweg in Solothurn glänzen die neuen Duschwannen ganz in Weiss – zeitlos bis zur nächsten Sanierung in einigen Jahrzehnten.

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Kommentare

Andreas Konrad 14.01.2020 13:11
Angeklebter Eternit - die scheussliche Geissel des « Minergie » - Zeitalters ! Fassaden im weiteren scheinen die Architekten nicht mehr zu kümmern - der « Kinshasa » - Look verschlimmert die Verbrechen der Nachkriegsmoderne . Das muss man erst mal schaffen !
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Ich kann das Bild nicht lesen