Im Schweizer Pavillon collagieren Miroslav Šik, Knapkiewicz & Fickert und Miller & Maranta aus ihren Bauten eine Stadt. Fotos: Axel Simon

Welche gemeinsamen Werte?

Am Mittwoch öffneten die Pforten der Architekturbiennale in Venedig. Die Tageszeitungen begrüssen das Motto «Common Ground», sehen aber kaum, welche gemeinsamen Werte die Architekten verbinden.

Am Mittwoch öffneten die Pforten der Architekturbiennale in Venedig. Mit David Chipperfields Motto «Common Ground» «weht in diesem Jahr ein ganz anderer Wind durch die weiten Hallen des Arsenale», meint der «Tages-Anzeiger». «Glücklicherweise tappt der Kurator nicht in die Falle, die er sich mit seiner Themenwahl selber gestellt hat.» Er behauptet nicht, er wisse genau, was richtig sei, und pflegt einen pluralistischen Ansatz. Der «Tages-Anzeiger» bezweifelt jedoch, ob die beteiligten Architekten «ihren ausgeprägten Individualismus» zugunsten «gemeinsamer Werte» zurückstellen werden.
Ähnlich sieht dies die «Basler Zeitung». «Die Schau ist auf weite Strecken ein Nebeneinander von Präsentationen, die den Narzissmus der Architekturstars befriedigen mögen, die aber wenig miteinander zu tun haben.» Überrascht zeigt sich die Zeitung über die Präsenz der Schweizer Architektur, die «geradezu dominant» sei. Sie spricht mit Jacques Herzog, einem der Vertreter aus der Schweiz. Architektur suche nach dem Common Ground, meint dieser. «In Realität driften die Kräfte aber auseinander.» Das Leitthema beschwöre Moral und Tradition. «In unserer Gegenwart spielen diese Werte aber keine Rolle mehr», so Herzog.
Das Titelthema «Gemeinsamkeit» vermittle «die überfällige Botschaft, die possesive Haltung «My Ground!» zu attackieren», meint schliesslich die «NZZ». Doch die Offenheit des Leitmotivs mache es schwer, «im Vielerlei der ausufernden Biennale Ziele und Werte einzukreisen, welche die Architektenschaft klar und eindeutig verbinden.» Letztlich bleibe am ehesten die Ideen-Konkurrenz als verbindendes Element.

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