Visualisierung der ‹Mall of Switzerland›. Fotos: halter.ch

Subventionierte Ölmilliardäre?

Die öffentliche Investition in die ‹Mall of Switzerland› teilten sich der Aufzughersteller Schindler als Landverkäufer und die Arabischen Emirate als Bauherrin, schreibt die «Woz».


450 Millionen Franken investieren die Vereinigten Arabischen Emirate in der Luzerner Gemeinde Ebikon in ein Shoppingcenter, «auf das niemand gewartet hat». Letzten Sommer begann die Bauarbeit, 2017 öffnet das dann grösste Einkaufszentrum der Zentralschweiz. Die ‹Mall of Switzerland›, laut Marketing ein «Flagship-Store für Schweizer Ideen und Erzeugnisse», wird laut ‹Die Wochenzeitung› wie eine «riesige aufgeblasene Tennishalle aussehen». Doch das Problem sei andernorts: Im Hintergrund habe der Landbesitzer, die Aufzugfirma Schindler, diverse Abstimmungen mit kaum sichtbarer Lobbyarbeit beeinflusst. Nun sei ein Zubringer der A14 gebaut, der «als teuerster Autobahnanschluss der Schweiz» gilt. Den direkten Abzweiger zur Mall sowie Teile für einen neuen S-Bahn-Anschluss habe Schindler selbst bezahlt, doch «für die Allgemeinheit bleiben Kosten von 125 Millionen Franken». Durch die bessere Erschliessung sei der Landwert gestiegen und Schindler konnte das Land 2014 für stolze 75 Millionen Franken verkaufen. SP-Nationalrätin Jaqueline Badran wettert: «Schweizer und Schweizerinnen subventionieren mit ihren Steuergeldern die Ölmilliardäre vom Golf.» Dagegen hätte die Region noch lange zu leiden: bis zu 11'000 Autofahrten pro Tag, ein drohendes Ladensterben und Probleme für die bereits zur Genüge existierenden Einkaufszentren.

Weitere Meldungen:


– «Die grössten Talente aus der Welt der Architektur zu holen und sie dazu zu bringen, kleine, bescheidene Dinge für den täglichen Gebrauch zu entwerfen.» So beschreibt der Design-Unternehmer Alberto Alessi in der ‹Weltwoche› das Erfolgsrezept seiner Firma und berichtet Amüsantes aus der Zusammenarbeit mit Ikonen der letzten Jahrzehnte.

– «Glücklich im Glattpark», titelt der ‹Tages-Anzeiger›. Dank einem Kultursoziologen, dem Quartierverein und einer Stadt, «die mit den Investoren hart verhandelt hat», fühlten sich die Pioniere der «Retortensiedlung erstaunlich wohl».

– Die Axa-Versicherung reisst das Mandarin-Haus in Zürich ab. Der Heimatschutz opponiert nicht gegen die Entlassung aus dem Inventar, weil das öffentliche Interesse für die im Neubauprojekt enthaltene Velostation wohl auf zuviel Zustimmung stossen dürfte. Ausserdem ist Star-Architekt Santiago Calatrava für den Neubau engagiert, berichtet der ‹Tages-Anzeiger›.

– Vertikale Fabriken: Aus Platzmangel wurden schon früh Nutzungen gestapelt. Die ‹NZZ› besuchte die Schau in der Galerie Archizoom der EPFL und sieht die europäischen Städte mit Industriezonen voller Flachbauten vor einem langen Weg.

– Mit Aaraus Stadmuseumserweiterung sei den Basler Architekten Diener & Diener «ein sprechendes Werk gelungen». Die ‹NZZ› lobt die «neuartige vertikale Museumslandschaft».

– «Basteln, ausprobieren, erkunden»: Die Ausstellung ‹Crictical Make› im Basler Haus der elektronischen Künste analysiert die Maker-Kultur zwischen freiheitlicher Kreativproduktion und neoliberaler Selbstausbeutung. Die ‹Basler Zeitung› berichtet.

– Als «heisses Eisen» bezeichnet die ‹Basler Zeitung› die Mittlere Brücke in Basel. Economiesuisse und die Handelskammer beider Basel fordern bauliche Massnahmen oder gar einen Abriss wider den Engpass für Schiffsgüterverkehr.

– Künftig soll die Stadt Basel kein Land mehr an Investoren verkaufen können. Laut ‹Basler Zeitung› wurde gestern die Neue Bodeninitiative im Rathaus übergeben.

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