Apples neuster Streich, die Apple Watch, ist ein «Instrument der Selbstorganisation» und kostet bis zu 11'000 Euro. Fotos: apple.com/watch

«Apple ist nicht mehr cool»

Die neue Apple Watch zwingt laut ‹Tages-Anzeiger› zum Aufrüsten. Entweder man nutzt das «Instrument der Selbstorganisation» oder versüsst die eigene Imperfektion mit Charme.


«Apple ist nicht mehr cool» titelt der ‹Tages-Anzeiger›. Weil nun endgültig die «Transformation zum Luxuskonzern» vollzogen sei, blieben Steve Jobs alte Mantras «unweigerlich auf der Strecke». 399 bis 11'000 Euro koste eine Apple Watch und dies sei einerseits folgerichtig, denn im Grunde habe das Unternehmen «immer schon Schmuck- und Statusobjekte» gebaut. Sie sollten nicht geöffnet und modifiziert werden und für die «Vollkommenheit des Unibody-Designs» fürchtet Autor Matthias Schüssler gar, dass der für das Macbook Retina einzige Anschluss für Strom, Daten und Monitor wohl bald auch noch abgeschafft würde. Andererseits, schreibt er aber, passe «eine Uhr aus 18 Karat Rosé- oder Gelbgold so gar nicht zu den Werten, mit denen Apple all die Jahre begeistert hat». Die Produkte waren immer mehr als Luxusobjekte, sogar «digitales Werkzeug für Rebellen» wieder die übergrosse IBM-Windows-Allianz. Dann brachte der iPod «die grosse musikalische Freiheit». Nun sei die Apple-Uhr als nächster Streich aber «keine tollkühne Idee» – äusserlich eine Generationen überdauernde Wertanlage, im Inneren aber ein denkbar vergängliches Gadget.
Auch Edelfeder Constantin Seibt denkt laut im ‹Tages-Anzeiger› über die smarte Uhr. «Wir müssen es ebenfalls werden», folgert er und fragt sich, «ob sie ein Werkzeug der Freiheit oder der Sklaverei ist». Das Werkzeug werde zum Knecht, der Knecht zum Herr und Resultat sei das perfekt getaktete Leben als Absolvierung. Die Uhr mit Telefon, Kalender, Karte, Kreditkarte und Pulsmesser sei «ein höchst brauchbares Instrument der Selbstorganisation» und so böten sich zwei Wege: «Rebellion oder Planung». Wer nicht perfekt plane, müsse verdammt freundlich sein, «um von den planbaren Leuten nicht geächtet zu werden». Es wird Zeit aufzurüsten, meint Seibt: «Also entweder Disziplin zu lernen. Oder als Ersatz die Waffe der Unperfekten: Charme.»

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Kommentare

Andy Andresen 12.03.2015 09:51
So, da sollen also die vor Jahrzehnten selbsternannten Rebellen von Apple für den Rest des digitalen Zeitalters Rebellen bleiben. Was für ein Unsinn. Apple ist als Megabrand aufn riesiger, weltumspannender Konzern längst ein Unternehmen wie alle anderen geworden. Höre ich hier ganz versteckt die Angst der verschlafenen Schweizer Uhrenindustrie durch? Ich fürchte, gerade diese wird in der zweiten grossen Krise sehr geschüttelt werden. Hochmut kommt vor dem Fall, die Zeit der Messepaläste in Basel könnet vorbei sein.
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