Baustellen der bernischen Stadtentwicklung: Warmbächli (1), Viererfeld-Mittelfeld (2), Gaswerkareal (3), Alte Feuerwehrkaserne (4), Burgernziel (5). Fotos: Tempohousing

Vom Nutzen des Wartens

Die Planung grosser Areale dauert Jahre. In Bern regen Architektinnen an, den Boden in der Zwischenzeit zu nutzen: mit günstigen Bauten wie in Amsterdam oder Wien – der Städtebaustammtisch ‹Inzwischen Wohnen›

Zwischennutzungen sind zum festen Bestandteil der Stadtentwicklungspolitik im 21. Jahrhundert geworden. Doch während alte Gebäude oft und vielfältig zwischengenutzt werden, sind in der Schweiz temporäre Neubauten auf Brachen selten. Containersiedlungen für günstigen Wohnraum? Lieber nicht. Sie kollidieren offenbar mit unserem Anspruch an Dauerhaftigkeit und der Kontrolle darüber, was an einem Ort passieren soll. Zudem wartet das Geld nur darauf, verbaut zu werden, da stünde Temporäres im Weg, denn der Bau könnte jederzeit losgehen – auch wenn die Planungsgeschichten das Gegenteil beweisen.   Es gibt Orte, wo dies gelingt. In Sion stellt die holländische Firma Tempohousing Wohnmodule für Studierende auf. Das ‹Basislager› in Zürich ist eine günstige Containersiedlung, die Kleingewerbler für Ateliers und Geflüchtete zum Wohnen nutzen (siehe Hochparterre 6–7/15). Das holländische Büro Spacebox entwickelte 2004 einen Mini-Modulbau, der etwa tausend Mal aufgestellt wurde, zuerst für Studierende in den Universitätsstädten Delft, Utrecht, Eindhoven und Almere, später nach Deutschland transportiert für Geflüchtete. In der Seestadt Aspern, der Wiener Stadterweiterung, stehen seit 2015 auf einer Wiese die ‹Pop-up Green Flex Studios› für vierzig Studierende. Die Kleinstwohnungen in Holzelementbauweise und Passivhausstandard sollen vierzig Jahre nutzbar sein, alle fünf Jahre an einem neuen Standort. Wird das Grundstück bebaut, zügelt man sie auf das nächste freie; das erste Versetzen ist im Erstellungspreis inbegriffen. Dieser betrug 35 000 Euro pro Wohnplatz, die Miete kostet 350 Euro pro Monat – nicht ganz günstig, doch der Baustandard ist hoch. Amsterdam schliesslich vermietete tausend Frachtcontainer während zwölf Jahren als günstige Wohnburg. Eine Idee für Bern? Szenenwechsel. Buntgemischtes Volk beim Mittagessen – alle Tische sind bis au...
Vom Nutzen des Wartens

Die Planung grosser Areale dauert Jahre. In Bern regen Architektinnen an, den Boden in der Zwischenzeit zu nutzen: mit günstigen Bauten wie in Amsterdam oder Wien – der Städtebaustammtisch ‹Inzwischen Wohnen›

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