Moderator Daniele Ganser, Rahel Marti, Richard Wolff, Bruno Marazzi, Claudia Guggisberg und Vittorio M. Lampugnani (v.l.n.r.) sprachen über alte Wahrheiten. Fotos: Lea Meienberg

Weite Felder

«Stadt- und Raumplanung für die Welt von morgen» – Die Kommission Frau und SIA und die SIA-Sektion Zürich hatten zum Podium eingeladen.

«Stadt- und Raumplanung für die Welt von morgen» – ein weites Feld und weiter lässt sich ein Thema für eine Podiumsdiskussion wohl kaum fassen. Der Weite beizukommen versuchten am vergangegen Donnerstag abend eine Raumplanerin, ein Städtebauhistoriker, ein Investor, ein Stadtforscher und eine Journalistin (die Schreibende). Zusammen mit der SIA-Sektion Zürich hatte die Kommission Frau und SIA dazu eingeladen als Schlusspunkt ihrer Veranstaltungsreihe «frau+net 2011», mit der sie das Jahr über ein engagiertes Programm geboten hatte: Myriam Dunn Cavelty, Saskia Sassen und Annette Spiro hatten in Vorträgen über Sicherheit und Risiko, Stadtentwicklung und Lehren in der Zukunft gesprochen.

Zur Diskussion am Donnerstag im Vortragssaal des Kunsthauses Zürich erschienen 120 Menschen, darunter markant viele Frauen. Die fünf Diskutierer spielten die ihnen zugedachten Rollen:

– Vittorio Magnago Lampugnani, Architekt und Professor für Städtebaugeschichte an der ETH Zürich: «Wir dürfen keine Peripherie mehr, sondern nur noch Stadt bauen – wir werden uns bald auch nichts anderes mehr leisten können, weil der Boden zu knapp und zu wertvoll wird.»

– Claudia Guggisberg, Leiterin Sektion Planung des Bundesamts für Raumentwicklung ARE: «Wir müssen die Zersiedelung eindämmen. Das Raumplanungsgesetz ist eine gute Grundlage dafür und wir verbessern es nun mit der Revision. Und es läuft nicht alles schlecht. Das aufkommende Denken in funktionalen Räumen oder die Aggloprogramme sind gute Beispiele.»

– Bruno Marazzi, Investor und ehemaliger Generalunternehmer: «Früher konnte man 4,5-Zimmer-Wohnungen bauen und alle waren zufrieden. Heute muss der Markt Vielfalt bieten. Und: Die öffentliche Hand soll heute kein Gebäude mehr bezahlen müssen. Ob Stadion oder Museum, alles lässt sich über Mantelnutzungen finanzieren.»

– Richard Wolff, Stadtforscher und Gemeinderat in Zürich: «Das RPG ist eine Lex Imperfecta, weil es keine Sanktionen kennt. Der Bund braucht mehr Kompetenzen in der Raumplanung. Wir müssen das Bodenrecht reformieren und den gemeinnützigen Wohnungsbau stärken.»

– Rahel Marti, leitende Redaktorin Hochparterre: «So lange wir die Zersiedelung subventionieren mit billiger Mobiliät und nicht internalisierten Kosten, passiert gar nichts. Es geht nicht ohne Zwang. Darum ist die Landschaftsinitiative der einzige Vorschlag auf dem Tisch, der etwas ändern wird.»

Dass man übers Rollen Spielen kaum hinaus kam, lag am zu weiten Themenfeld einerseits und an der Gesprächsführung andererseits. Als Nicht-Fachmann vermochte der Historiker Daniele Ganser die Diskussion nicht in Tiefen zu lotsen. Aber er agierte unterhaltsam und dynamisch und so bekam das Publikum zwar wenig Neues, aber dafür markante und ewig gültige Wahrheiten zu hören.

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