Das neue Stadtquartier soll nach dem Prinzip Containerfracht funktionieren: «Ankommen, veredeln, ausliefern.» Fotos: Olivier de Perrot odp-architecture

Stadtquartier Güterbahnhof

Die Gruppe «Cargo4» möchte auf dem Areal des Günterbahnhofs in Zürich ein durchmischtes Stadtquartier entwickeln, sollte das Volk das PJZ im Herbst definitiv beerdigen.

Im September stimmt das Zürcher Stimmvolk nach acht Jahren ein zweites Mal über das Polizei- und Justizzentrum auf dem Areal des Güterbahnhofs ab, nachdem der Kantonsrat letzten Herbst den Baukredit verweigert hat. Kurz nach dem Nein des Rats haben der Gastrounternehmer Koni Frei und der Autor Gian Trepp einen Vorschlag auf den Tisch gebracht, der auf dem Areal statt Gefängniszellen 1000 erschwingliche Wohnungen vorsieht. In der Zwischenzeit hat sich um die beiden eine lose Gruppe von Sympathisanten gebildet, die sich «Cargo4» nennt. Heute hat sie erstmals über ihr Projekt informiert. Die Idee wurde weiter entwickelt zu einem Konzept für ein durchmischtes Quartier. Die Gruppe sieht den neuen Stadtteil dank der engen Anbindung an das Schienennetz als symbolische Kopfstation der Neat nördlich der Alpen. Statt Güter- sollen neu Personenströme das Gebiet aktivieren. Die Gruppe will die Grundtypologie des Bahnhofs erhalten, sich aber von der Denkmalpflege nicht so stark einschränken lassen, wie dies der Verein Güterbahnhof vorsieht.

Neben günstigen Wohnungen plant «Cargo4» auch so genannte Billigstwohnungen für Studenten und Vielreisende. Der Wohnanteil wird bei rund 60 Prozent liegen. Der Rest ist für preiswerte Gewerbeflächen und Räume für die Kreativbranche, aber auch Schulen, Kongresse oder Läden vorgesehen. Daneben sollen Kleinkünstler günstige Auftrittsmöglichkeiten erhalten und das Quartier beleben. Die Gruppe spricht von einem Ort in der Balance «zwischen Kommerz und Solidarität». Im Erdgeschoss soll die Überbauung öffentlich zugänglich bleiben und auch auf dem Dach ist eine Promenade vorgesehen, die allen offen steht. Das Projekt soll von privaten Investoren finanziert werden, konkrete Geldgeber sind jedoch noch keine im Boot. Die SBB als Eigentümerin des Grundstücks müsse das Areal zu einem fairen Preis verkaufen und dürfe es nicht dem Meistbietenden überlassen, so die Gruppe. Wichtig ist ihr auch eine intensive Zwischennutzung, sollte das PJZ im September tatsächlich endgültig begraben werden. «Cargo4» will sich nicht direkt in den Abstimmungskampf einmischen, mit der Vision für ein Stadtquartier liefert sie den Gegnern des PJZ aber neue Argumente.

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