Wohlstand ist schön – für die offene Stadt aber auch eine Herausforderung? (Foto: Claudia Remondino via zureich.ch)

Film & Podium: Wessen Zürich?

Heute Abend läuft der Berliner Film ‹Wessen Stadt?› im Kosmos. Ein Architekt, eine Beamtin, ein Stadthistoriker, eine Wohnforscherin und ein Investor diskutieren die aufgeworfenen Fragen im Bezug auf Zürich.

Der Filmtitel fragt programmatisch: «Wessen Stadt?» In der Anfangsszene antwortet eine Stimme: «Ob Berlin eine Stadt für die Bürger ist, ist offen.» Ist das Hoffnung oder eine Warnung? Sicher ist: Stadt muss man immer wieder aushandeln – zumindest die bezahlbare und offene Stadt, um die es Filmemacher Hans Christian Post geht.

Der Film beginnt bei Berlins Baupolitik nach dem Mauerfall. Gelungener Wiederaufbau in gründerzeitlichen Strukturen oder Geschichtsverneinung und inhaltsleerer Form- und Materialstreit? Zu Wort kommen heutige Denker und Lenker sowie damalige Macher, Fürsprecher und Gegner. In einem sind sich die meisten einig: Berlin hat nach der Wende zu tiefe Wohnanteile verlangt, viel Boden verkauft und seine Wohnbauprogramme abgeschafft. Heute rennt die Stadt den Problemen hinterher. Vom Berliner Architekturstreit bewegt sich der Film somit zur zentralen Frage heutiger Städte: Sollen sich Nutzungen und Menschen nach Kaufkraft verteilen? Oder wie denn sonst? Wie viel Bodenpolitik und wie viel freien Markt verträgt eine lebendige und dynamische Stadt? In Berlin suchen kluge Stadtdenkerinnen, kritische Wegbegleiter und aufmüpfige Stadtmacher nach Antworten.

Und in Zürich? Auch hier ist der Wohnungsmarkt angespannt. Die letzten Besetzungen weichen Grossprojekten. Langsam, aber stetig pflügt die Ersatzneubauwalze die Quartiere und ihre Sozialstrukturen um. Ist die Wohnungsnot mehr als ein Politikum und lässt sie sich jemals wegbauen? Gibt es klügere Rezepte als das kommunale und genossenschaftliche Bauen? Wie erhält sich eine Stadt trotz Beliebtheit und Dauerkonjunktur auch an zentralen Lagen Platz für Gewerbe, Unkommerzielles, Unbequemes gar? Was sind die Brachen von morgen, was die Widersprüche? Und überhaupt: Ist die Stadt für alle und alles der richtige Anspruch?

Zeit für Kinofreuden, ein herzhaftes Podium, Wurst und Bier – und das alles kostenlos dank Fischer Architekten. Heute Abend im Kosmos.

Hans Christian Post, Wessen Stadt?, 2017

Kommentare

Andreas Konrad 18.06.2019 21:00
Die Industrialisierung schuf wunderschöne Stadträume in prächtigen Fassaden, aber viel zu enge Wohnungen. Die Nachkriegsmoderne schuf dann lichtende Wohnungen in viel zu tristen Siedlungen, die zufällig die Landschaft verschandeln und die wohl bald grossflächig gesprengt werden müssen. Einfache Antwort auf eine einfache Frage: Das gute aus beiden Welten. Den Stadtraum der Jahrhundertwende und die Wohnungen der Neuzeit. Die Verdichtung schafft der Blockrand, die Stadträume gibts gratis dazu. Aber das Setting Architekt, Beamtin, Wohnforscherin und Historiker ist geradezu prädestiniert, diese einfache Erkenntnis zu verkomplizieren und zu zerreden. Gefragt wären die Scotonis und die Dieners der Jahrhundertwende, die «gute Wohnungen in schöner Gestalt» hinbauten statt im wolkenweissen Raum papieren zu diskutieren.
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