Es geht auch ohne Sgraffiti und Hirschgeweih. Fotos: Ralph Feiner

Mode im Kurort

‹Giovanoli Moda› ist eine neue Kleiderboutique in Sils Maria, die zeigt, dass es auch ohne Sgraffiti und Hirschgeweih geht.

In der Butia ‹Giovanoli Moda› im Kurort Sils Maria werden Kleider und Accessoires präsentiert und verkauft, die Annigna Giovanoli und Reto Hungerbühler nach ästhetischen und ökologischen Kriterien aussuchen. Eine U-Form mit weich gerundeten Ecken und hohem Dachkragen verleihen dem eingeschossigen Anbau an ein Wohnhaus unmittelbar neben “Giovanoli Sport“ eine Klarheit und Dynamik, die auch im Innenraum überrascht. Licht und Offenheit erzeugen eine wohltuende Stimmung – man schaut sich um, befühlt die Naturmaterialien, lässt sich beraten und probiert die Kleidungsstücke an. Oder man nimmt Platz auf einem der Ledersofas und blättert in Büchern und trinkt einen dazu gereichten, ausgezeichneten Kaffee.
Im Innenraum überwiegen das Weiss der Wände und die warmen Holztöne. Das Eichenholz stammt aus alten Ställen. Wenige andere Materialien setzen zusätzliche Akzente.  Eine konsequente, durchdachte und subtile Gestaltung, die sich im Zusammenspiel mit allen Komponenten äussert. Zum Beispiel in der Verflechtung der Ästhetik mit der Konstruktion der Einrichtungen, in Gestaltung der Möbel und der Planung der betrieblichen Abläufe.
 
Modehäuser in Tourismusorten müssen entweder dem Corporate Design der Modekonzerne oder einer Collage aus Sgraffiti, antiken Möbeln und Trophäen gehorchen, wie sie die Architektur des Fremdenverkehrs gerne benutzt. Das Modegeschäft in Sils Maria zeigt, dass das auch anders geht. Sein roter Faden beginnt in der Val Fex, wo die Bauherrin in engem Kontakt mit der Natur ihre Gedanken formt. Ihre Leitidee für den Bau: Die Kraft der Natur, deren Farben, Materialität und Formen einfangen und im Bau hinüberbringen, ohne sie nachzubilden. Der Architekt hat ihre Sprache verstanden und in Architektur umgesetzt. Die Vorgaben waren Echtheit und Kraft der Materialien bewahren, Harmonie der Räume und Farben herstellen – sie wurden erfüllt. Die karge Strenge und bestechende Eindeutigkeit der Innen- und Aussenarchitektur lassen nichts offen. Nirgendwo Dekoratives als Haltegriff in der Not. Alles hat seinen Sinn und seine Bestimmung.

Giovanoli Moda
Via da Marias 35, Sils Maria, 2013
– Bauherrschaft: Annigna Giovanoli und Reto Hungerbühler, Fex.
– Architektur und Innenausbau: J. Armellini, Armellini Design, Hard/Vorarlberg
– Fläche: 230 m2
– Kosten: Umbau 672'000.-; Innenausbau und Einrichtungen: 431'000.- 

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