Die Ausstellung «Lisbet und Robert J. Schläpfer Textile Innovationen 1965 – 1995» im Textilmuseum St. Gallen würdigt das Ehepaar.

Glitzerwelt

Die Ausstellung «Lisbet und Robert J. Schläpfer Textile Innovationen 1965 – 1995» im Textilmuseum St. Gallen würdigt das Ehepaar, das Mitte der Sechzigerjahre mit dem traditionellen Stil der St. Galler Stickereien brach.

Ein roter Teppich führt zum Portrait der Schläpfers. Die Ausstellung «Lisbet und Robert J. Schläpfer Textile Innovationen 1965 – 1995» im ersten Stock des Textilmuseum St. Gallen würdigt das Ehepaar, das Mitte der Sechzigerjahre mit dem traditionellen Stil der St. Galler Stickereien brach. Die Szenografie setzt auf Kontraste: strenges Schwarz und leuchtendes Pink bestimmen den Raum. Davor entwickelt sich die für Schläpfer so typische Glitzerwelt. «Wir liebten das Spiel mit den Farben», beschreibt die heute neunzigjährige Lisbet Schläpfer ihre Arbeit. Legendär ist ihre Klimtkollektion, in der sie die üppigen, goldstrotzenden Motive des österreichischen Jugendstilmalers in Stoff umsetzten. Pailletten, Kristallsteine und Tiffanies dann auf die Stoffe zu bringen und diese als Meterware zu produzieren, forderten Robert J. Schläpfer. Gemeinsam mit dem Maschinenbauer Saurer modifizierte er gängige Stickapparate und liess diese patentieren. Mit Erfolg: Die Couturiers Andreé Courrèges, Pierre Cardin, Dior, Giorgio Armani und Emanuel Ungaro schwärmten für Schläpfers Kreationen.

Auf 150 Quadratmeter zeigt die Ausstellung Stickereien, Modelle und hunderte Musterfälze, die das Ehepaar kreierten und illustriert so den Übergang vom traditionellen Stil der Fünfzigerjahre zur Glitzerwelt. Im Zentrum stehen die sogenannten Hausmodelle, die dazu dienten, den Kunden das Potential der Stoffe aufzuzeigen. «In unserem Archiv füllen diese Modelle lange Schrankreihen», sagt Peter Kaeser, der Kurator der Ausstellung, der von 1968 bis 2008 im Atelier Schlaepfer als Textildesigner arbeitete. Aus demselben umfangreichen Archiv stammen Zeitungsberichte und Modefotos. Entlang der Wände geben Musterlaschen mit flirrenden oder knallbunten Stickereien über dreissig Jahre Einblick die facettenreiche Welt des Ehepaars. 1995 verkauften die Schläpfers ihre Firma, das heutige Unternehmen Jakob Schlaepfer ist Teil der Textilgruppe Filtex. Heute führt der Designer Martin Leuthold mit seinem Team weiter, was Lisbet und Robert J. Schläpfer in den Sechzigerjahren begonnen haben. Das zeigt etwa der für den Designpreis Schweiz nominierte Stoff Slow Light, bei dem kleinsten Glasperlen das Licht reflektieren – die Arbeit des Ehepaars prägt bis heute das Image der Ostschweizer Sticker. Passend dazu auch die Ausstellung Vision im Erdgeschoss des Textilmuseums, in der die aktuellen Schweizer Stoffe der Saison Herbst Winter 2014/15 gezeigt werden. 

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