Lokales Design gegen Leerstand. Fotos: Alexander Preobrajenski

Design statt Leere

Ein temporäreres Möbelgeschäft bietet der Basler Designszene einen Showroom – und verhindert zugleich Leerstand in einem neugebauten Einkaufszentrum.

Das neue Erlenmattquartier in Basel flirrt in der Sommerhitze. Die schmalen Bäume auf dem Platz spenden kaum Schatten, das unterirdische Einkaufszentrum «Bâleo» lockt mit seiner Kühle. Auf der einen Seite werben dort Supermarkt und Elektronikgeschäft mit leuchtenden Schriften. Auf der anderen Seite kontrastiert ein Ladenlokal mit Holz und Eternit: Ein Möbelhaus für lokales Design. «Space Grotesk» ist eine Zwischennutzung, um Leerstand zu vermeiden. Basel tut sich schwer mit Einkaufszentren, Deutschland und Frankreich liegen zu nah, als dass sie rentieren würden. Keine zehn Minuten zu Fuss bis zum badischen Bahnhof braucht es daher kluge Ideen, um Menschen zum Einkaufen zu bewegen. Vielleicht funktioniert das mit «Space Grotesk» deshalb so gut, weil er gerade nicht so «konsumistisch» ist.

Es ist ein Raum auf Zeit. Während drei Monaten bespielen die Macher vom «Kollektiv Konstruktiv» die 500 Quadratmeter. Dabei wollen sie keine Möbelwelt imitieren, sondern mit einem Showroom Design aus Basel und Umgebung auszeichnen. Die Gestalterinnen freuen sich über die Möglichkeit, ihre Arbeiten auf diese Weise zu präsentieren. Wo Ateliers und Werkstätten zu klein sind, um Kunden zu empfangen und es neben den bekannten Onlinehändlern zunehmend schwierig ist, sich durchzusetzen, ist der Laden eine Gelegenheit sich zu öffnen. Auf Zeit geplant, halten die Macher die Einrichtung spartanisch. Auf Pallettes vom Supermarkt nebenan dienen Bretter vom Breitling-Stand der vergangenen Uhren- und Schmuckmesse als Auslagefläche. Es gibt Textilien von Isabel Bürgin und «Kollektiv Vier», Bücher von «Hafenpiraten» oder Möbel von «Manufaktur5» oder «Jacoby».

Tuften ist die weltweit am häufigsten eingesetzte Technik zur Herstellung von Teppichen.

Auf einer Fläche nebeneinander ausgestellt, fällt auf, dass sich die lokale Designszene insbesondere mit Handwerk auseinandersetzt. Feine Schreinerabreiten folgen auf sorgfältige Keramiken. Ursprünglich hatte «Kollektiv Konstruktiv» deshalb einen kleinen Baumarkt für die Nische hinter dem Verkaufstisch geplant. Statt Schrauben und Werkzeug hängen dort nun aber Bilder und Fotografien. Mit dabei ist auch eine Fotoserie über Strassenlaternen bei Tag von Jan Knopp, Mitgründer des «Kollektivs Konstruktiv». Daneben «tuften» aktuell Künstlerinnen an einem Teppich. Bei der Technik schlingt man Garne durch ein aufgespanntes Gewebe. Am Freitag, den 5. Juli 2019, können Besucher den fertigen Teppich bei einem Apéro betrachten. Die Galerie soll nun, gegen Ende der ersten Laufzeit von «Space Grotesk», noch mal neues Publikum anlocken. Vermutlich aber kann das Möbelhaus ohnehin über die drei Monate hinaus eingemietet bleiben. Momentan werde die Finanzierung dazu noch abgeklärt, sagt Jan Knopp. Nicht zuletzt die Designer und Designerinnen würden sich freuen, wenn sie den Showroom weiterhin nutzen könnten.

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