Die Protagonisten: Student Pierre und die Therme von Peter Zumthor Fotos: Lucas Harari

Stein, Wasser und ein Zippo

Vor den Felswänden der Bündner Berge macht der französische Zeichner Lucas Harari Peter Zumthors Therme zum Protagonisten seiner Graphic Novel «Der Magnet».

Hohe Wände aus dunklem Gneiss, das tiefe Blau und der harte Lichteinfall: Peter Zumthors Therme in Vals kann einnehmend sein, geradezu verschlingend. Dieses Gefühl thematisiert Lucas Harari in seiner Graphic Novel «Der Magnet». Davon angezogen, bricht der Protagonist Pierre sein Architekturstudium in Paris ab und reist den Bergen entgegen nach Vals. Immerzu skizzierend dringt er tief in die Legenden und Geheimnisse der Therme vor, verfolgt von Fremden und gezogen vom eigenen Wahn. «Der Magnet» ist ein leiser Thriller, erzählt in fliessenden Bildern.

Ähnlich seinem Protagonisten hat auch Lucas Harari sein Architekturstudium abgebrochen, um sich an der Pariser Arts Déco in alte Drucktechniken zu vertiefen. «Der Magnet» begann denn auch als Abschlussarbeit des nun 28-jährigen Zeichners. Seine Faszination für Stein, Beton und Konstruktion ist darin noch immer spürbar. Ganz den klaren Entwürfen Zumthors entsprechend zeichnet er im Stile der «ligne claire» à la Hergé und macht so die Architektur im Comic leicht lesbar. Obwohl flächig eingesetzt, modellieren die Farben die Tiefe der Räume. Blau, Schwarz, Weiss und wenig Rot klingen als beklemmende Hintergrundmelodie, die den Leser zusammen mit der Hauptfigur Pierre zunehmend einlullt.

Türen erscheinen und verschwinden...

Eingerahmt von den massiven Gneissblöcken, die Zumthors Konstruktion tragen, sitzt Pierre am Beckenrand. Übermannt von der Architektur scheint es ihm unmöglich, Grundrisspläne nachzuzeichnen. Wo eben noch Türen waren, ist im nächsten Moment festes Mauerwerk. Tastend und Klopfend im Schein seines Zippos erforscht Pierre den Bau, bis ihn der Berg verschlingt. Die mystische Stimmung zeigt der Zeichner in abstrusen Begegnungen. Da sind der verrückte Bergler mitsamt seinem bockigen Maultier, die verführerische Ondine oder der cholerische Wissenschaftler und Bäderexperte Philippe Valeret, der Jaques Herzog verblüffend ähnlich sieht. Alle Figuren treten jedoch in den Schatten Zumthors Architektur. Als antagonistische Kraft übernimmt sie die führende Rolle.

In Frankreich bereits letztes Jahr veröffentlicht, erhielt Hararis Debut viel Lob von den comicverliebten Franzosen. Auch in Zumthors Heimat zieht der abgründige Thriller in den Bann. Fast verleiten die reduzierten Illustrationen dazu, wieder einmal in die Surselva zu fahren, um sich von der Therme verschlingen zu lassen. Diesen Herbst ist nun die deutschsprachige Übersetzung von Christoph Schuler bei Edition Moderne erschienen. Am 15. November 2018 liest Lucas Harari in Zürich.

Kommentare

Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen