Roland Flückiger-Seiler: Berghotels zwischen Alpenweide und Gipfelkreuz.

Die Bergwanderung ist kein Sonntagsspaziergang

Der Architekturhistoriker Roland Flückiger veröffentlichte seinen dritten Band zur Schweizer Hotelgeschichte 1820–1930. Darin fokussiert er sich auf Berghotels und weitet den Blick auf den Tourismus.

Roland Flückiger als Papst der Schweizer Hotelgeschichte zu bezeichnen, ist nicht übertrieben. Nach «Hotelträume zwischen Gletschern und Palmen» und «Hotelpaläste zwischen Traum und Wirklichkeit» veröffentlichte der Architekturhistoriker nun seinen dritten Band: «Berghotels zwischen Alpweide und Gipfelkreuz». Aber gibt es denn nach den beiden ersten, reich illustrierten Büchern überhaupt noch etwas zu berichten? Ja, denn Flückiger hat sich einerseits fokussiert, andererseits den Blick auch ausgeweitet.Im Zentrum des Interesses stehen die Hotelbauten in höheren Lagen, und so versteht es sich von selbst, dass dazu nicht nur komfortable Grand-Hotels zählen, sondern – und vor allem – einfachere Unterkünfte und frühe Basislager für Erstbesteigungen. Im Buch nehmen aber auch das touristische Leben, die Hoteliers und die frühen Bahnen viel Platz ein. Flückiger erweiterte so die architektonische Betrachtung um das Leben in den Bergen und macht sein Werk auch zu einer Tourismusgeschichte der Jahre zwischen 1830 und 1920 (das ist Flückigers Zeit). Eine Konsequenz davon ist, dass es in diesem dritten Buch deutlich weniger Grundrisse der Hotelbauten gibt – diese findet man in Band zwei.Ob es noch etwas zu berichten gibt, das ist also gar nicht mehr die Frage. Wer durchs Buch blättert, bleibt an den zahlreichen Bildern hängen. Mein Favorit kommt gleich auf Seite 1: Die Standseilbahn auf das Stanserhorn, die im Sockel des Berghotels verschwindet. Und eigentlich gibt es zu viel zu berichten: Die Texte sind lang, und der Vergleich mit Band zwei bestätigt den Eindruck: Im neusten Buch mussten auf der gleichen Spaltenhöhe fünfzig statt nur vierzig Textzeilen Platz finden. Flückigers Hotelbuch zu lesen ist zwar nicht so anstrengend wie eine Bergtour vor hundert Jahren. Ein Sonntagsspaziergang ist es aber auch nicht. Aber es lohnt sich.Berghotels zwischen Alpenweide und Gip...
Die Bergwanderung ist kein Sonntagsspaziergang

Der Architekturhistoriker Roland Flückiger veröffentlichte seinen dritten Band zur Schweizer Hotelgeschichte 1820–1930. Darin fokussiert er sich auf Berghotels und weitet den Blick auf den Tourismus.

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