Bern ist die erste Stadt meines Lebens, diese Jugendliebe ist zwar erkaltet, doch beim Lesen flackerte sie wieder auf, schreibt der Stadtwanderer.

Bärn, du edle Schwizerschtärn

Seit 30 Jahren ist die Stadt Bern rotgrün. Sie hat sich von der behäbigen Beamtenstadt zur Wohlfühloase entwickelt. Wie das ging, zeichnet der Journalist Jürg Steiner sorgfältig nach.

Der 6. Dezember 1992 war ein wichtiger Berner Merktag: Therese Frösch, Frau und linksgrün, wurde zur allgemeinen Überraschung in die Stadtregierung gewählt. (Es war der selbe Sonntag, an dem der EWR abgelehnt wurde.) Damit kippte die Stadtregierung nach links und wurde weiblich, vier Frauen und drei Männer. Heute, 30 Jahre später, ist Bern die weitaus linkste Stadt der Schweiz. Die rotgrüne Stadtregierung und ihre Verbündeten bauten die Wohlfühloase Bern auf. Das jedenfalls, ist das Fazit des Journalisten Jürg Steiner, der uns die Lokalgeschichte vom neuen Bern erzählt. Die neunziger Jahre waren dröge. Auf dem Bundesplatz parkierten 95 Autos. Heute spritzen dort die Fontänen und nackte Kinder rennen durch den künstlichen Regen. Vom Park- zum Spielplatz, damit ist der Umbau der Stadt in ein Bild gefasst. Die Birkenstöcke unter dem Namen RGM, was die Koalition von Rot-Grün-Mitte meint, übernahmen die Macht. Frösch wurde Finanzdirektorin. Sie machte pragmatische Politik, verbündete sich mit der Migros, um den Gurten zu sanieren, verband sich mit Bindella, um den Kornhauskeller umzubauen und brachte die Stadtfinanzen ins Lot. «Die neue Mehrheit belebte die Stadt in deren bodenlosen Krise mit ungewohntem Tatandrang und Optimismus, sah sich gleichzeitig aber zu einer Diszipliniertheit gezwungen, die der linken Kampfrhetorik den Schrecken nahm», urteilt Steiner. Wie in den anderen grossen Städten verloren die Bürgerlichen an Stimmen und Mandaten. Sie zerfleischten sich auch selbst und gegenseitig. Doch die rotgrüne Stadt lebt in einem klar bürgerlichen Kanton. Man stritt sich um die Zentrumslasten. «Stadt» ist in Bernland ein Wort, das mit «Schmarotzer» übersetzt wird. Doch die freisinnige einstige Gemeinderätin Barbara Hayoz entgegnet: «Der Kanton Bern begreift einfach nicht, dass es ihm nicht besser geht, wenn man der Stadt ständig Knebel zwischen die Beine...
Bärn, du edle Schwizerschtärn

Seit 30 Jahren ist die Stadt Bern rotgrün. Sie hat sich von der behäbigen Beamtenstadt zur Wohlfühloase entwickelt. Wie das ging, zeichnet der Journalist Jürg Steiner sorgfältig nach.

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