Die Wohnungen in der Alterssiedlung in Adliswil bieten prächtige Ausblicke in den Park. (Foto: Rasmus Norlander)

Zu jung fürs Altersheim

Die Senioren in der Alterssiedlung «Wohnen am Bad» bezahlen vor dem Einzug den gesamten Kaufpreis, doch die Wohnung gehört weiter der Stiftung für Alterswohnbauten Adliswil. So können die Anlagekosten finanziert werden, ohne dass Kapitalkosten anfallen.

Die Senioren in der Alterssiedlung «Wohnen am Bad» bezahlen vor dem Einzug den gesamten Kaufpreis, doch die Wohnung gehört weiter der Stiftung für Alterswohnbauten Adliswil. Jeden Monat zieht diese einen Mietzins vom einbezahlten Betrag ab — theoretisch 45 Jahre lang. Zieht ein Bewohner aus der Wohnung aus, erhält er den Restbetrag zurück, allerdings ohne Zinsen. Stirbt ein Bewohner, so erhalten die Erben den restlichen Betrag. So können die Anlagekosten finanziert werden, ohne dass Kapitalkosten (Hypozinsen) anfallen. Ein Konstrukt, das es in der Schweiz in dieser Art bisher nicht gibt und den Vorteil hat, dass der Mietzins über die ganze Vertragsdauer gleich bleibt.

Dieser neuen Wohnform haben Elmiger Tschuppert Architekten ein Gesicht verliehen: zwei perforierte Kuben, an der Hügelkante platziert, mit einem der Strasse zugewandten Grünbereich und einem westseitig gelegenen Park. Die Gartenanlage schliesst nahtlos an die Parkanlagen des benachbarten Altersheims an, sodass eine Grünzone entsteht. «Erholungsflächen und Begegnungsräume gewinnen im Alter an Bedeutung», sagt der Architekt Markus Elmiger. Diesen Gedanken entwickeln die Architekten im Gebäude weiter: Sie haben ein zusammenhängendes Wegnetz aus Treppen, Plätzen und Aufenthaltsräumen geschaffen. «Als Referenzobjekte für die räumliche Ausformulierung und die Materialwahl dienten zufällig ausgewählte städtische Wohnhäuser aus dem 20. Jahrhundert in Paris, Mailand und Zürich», erklärt Elmiger. Daraus resultiert eine einfache Grundrisstypologie, in deren Zentrum die Eingangshalle steht. Darum herum gliedern sich die Wohnungen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner entsprechen.

Ein irritierendes Detail ist die Fassade: Für die ungewohnte Materialisierung aus konventionellen Dachziegeln liessen die Architekten eigens eine Aufhängung entwickeln, da die Ziegel in der Vertikalen angebracht werden. «Die Fassade soll mit der Zeit eine natürliche Patina erhalten, wie man sie von normalen Dächern kennt», sagt Markus Elmiger. Die Ziegel verleihen der Fassade Tiefe und integrieren die Fenster in ihre Zeichnung. Dabei legten die Planer das Augenmerk auf die Aussicht: Viele unterschiedlich grosse und bewusst tief platzierte Fenster ermöglichen den betagten Bewohnern, das Leben auf der Strasse zu verfolgen.

Wohnen am Bad, 2011

Badstrasse 6 und 6a, Adliswil ZH

– Architektur: Elmiger Tschuppert Architekten, Luzern und Zürich

– Auftragsart: Zweistufiger Wettbewerb

– Bauherrschaft: Stiftung für Altersbauten Adliswil

– Landschaftsarchitektur: Appert Zwahlen, Cham

– Anlagekosten: CHF 30 Mio.

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