Das Wohnhaus Gütschhöhe über Luzern passt sich dem Terrain an. Fotos: Reinhard Zimmermann

Wohnband über der Stadt

In einer Waldlichtung hoch über Luzern entstand in den Vierzigerjahren eine Wohnsiedlung für die Wohnbaugenossenschaft GEFA. Der bauliche Zustand war zwar gut, doch waren die Wohnungen zu klein. Also beschloss die Genossenschaft den Neubau.

Hoch über Luzern reckt das Hotel Gütsch seine filigranen Türmchen in den Himmel, und ganz in der Nähe steht die Pension Wallis — zwei bedeutende Bauten aus der Frühzeit des Tourismus in der Stadt. Auf der angrenzenden Waldlichtung entstand in den Vierzigerjahren eine Wohnsiedlung für die Wohnbaugenossenschaft GEFA, bescheidene, zweigeschossige Wohnhäuser mit Satteldach und Fensterläden. Der bauliche Zustand war zwar gut, doch waren die Wohnungen zu klein. Also beschloss die Genossenschaft den Neubau. In einem mehrfach geknickten, über 200 Meter langen Gebäude haben 56 Wohnungen von 1 ½ bis 5 ½ Zimmern Platz gefunden. Der lange Baukörper variiert in der Höhe, folgt dem Terrain und ragt vier-, fünf- und stellenweise sechsgeschossig in die Höhe. Sieben Treppenhäuser erschliessen jeweils zwei Wohnungen pro Geschoss, jedoch nicht 
direkt, sondern über die Loggia, die jeder Wohnung unabhängig von ihrer Grösse zugeordnet ist. Dieser unkonventionelle Zugang — vom Treppenhaus via Aussenraum ins Innere — gibt den Wohnungen ein wenig den Charakter eines Einfamilienhauses. Der Wohn- und Essraum mit Küche 
spannt sich zwischen den Längsfassaden auf, so-
dass jede Wohnung sowohl vom Blick über die Stadt als auch vom Wald profitiert.

Planten die Architekten das Gebäude ursprünglich als reinen Holzbau, so besteht das Tragwerk beim realisierten Bau aus Beton. Es ist jedoch so konzipiert, dass nur wenige Elemente tragend sind. Die meisten Wände lassen sich entfernen, ohne die Statik zu beeinflussen. Dies ermöglicht eine grosse Flexibilität, insbesondere im Hinblick auf den künftigen Wandel unserer Ansprüche — der den Altbauten zum Verhängnis geworden war.

Ein Blickfang ist die Fassade aus Fichte. Anders als bei Holzbauten sonst üblich zeigt sie nicht die vielfältigen Spuren der Verwitterung, die je nach Ausrichtung und Detailausbildung unterschiedlich ausfallen, sondern sie präsentiert sich in einem einheitlichen Grau. Des Rätsels Lösung ist die Vorbewitterung, bei der das Holz schon vor dem Einbau seine graue Farbe gewinnen konnte. Ein erfolgreiches Verfahren, wie der Vergleich der ersten, 2011 fertiggestellten Bauetappe mit der zweiten Etappe von diesem Jahr zeigt: Unterschiede sind praktisch nicht auszumachen, und noch hat der weitere Verwitterungsprozess kaum Spuren hinterlassen.

Wohnhaus Gütschhöhe, 2012

Gütschhöhe 1–3, Luzern

– Bauherrschaft: GEFA Wohnbaugenossenschaft Luzern

– Architektur: MMJS Jauch-Stolz Architekten, Luzern

– Kosten und Bauleitung: Schärli Architekten, Luzern

– Auftragsart: Studienauftrag

– Energie: Minergie-Eco-Standard

– Kosten (BKP 1–9): CHF 31,6 Mio.

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Kommentare

Gustav Sucher 12.09.2018 14:41
Ein Neubau hat sich sicherlich gelohnt. Gerade für die Umwelt ist ein Neubau immer etwas positives. Die Dämmung ist in alten Häusern ja bekanntlich nicht so gut gedämmt. Die Fensterläden sind jedoch eine gute Erfindung finde ich, denn sie können das Haus noch zusätzlich vor wärme und kälte schützen. Danke für den blog Beitrag! https://www.blank.at/fensterlaeden-in-oesterreich/
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