Bei der Erweiterung des Tramdepots in Zürich-Oerlikon übernahmen die Architekten Form und Dimension der Oberlichter vom Altbau. Fotos: Beat Bühler

Mehr Platz für mehr Trams

Der Ausbau des Zürcher Tramnetzes durch die Glattalbahn erforderte zusätzliche Abstellplätze. Maier Hess Architekten erweiterten den Altbau pragmatisch: Sie schlossen nahtlos an.

Die «Strassenbahn-Wagenhalle» war Mitte der Dreissigerjahre einer der ersten städtischen Infrastrukturbauten im kurz zuvor in die Stadt Zürich eingemeindeten Oerlikon. Stadtbaumeister Hermann Herter entwarf ein einfaches, präzise gestaltetes Gebäude. Der Besandungsturm verankert die flache Halle im Stadtgefüge, die Dachaufbauten rhythmisieren die Halle. Zusammen mit dem nahen Hallenstadion, dem Theater 11 und der offenen Rennbahn bildet das Depot ein Ensemble grossmassstäblicher Bauten.
Der Ausbau des Tramnetzes durch die Glattalbahn erforderte zusätzliche Abstellplätze, und gleichzeitig sollte hier eine Kontakt- und Anlaufstelle des Sozialamtes eingerichtet werden. Wegen seiner Grösse und Lage eignet sich das Depot dafür besonders gut. Maier Hess Architekten erweiterten den Altbau pragmatisch: Sie schlossen nahtlos an den Herter-Bau an und führten auch die hohen Oberlichter über der Abstellhalle einfach weiter. Doch die Architekten wollten den Herter-Bau weder konkurrieren oder übertrumpfen, sondern sie wollten noch nüchterner sein als es Herter war. Darum gibt es weder Fenster in der Betonfassade noch Blechabdeckungen am Dachrand. Das Hauptelement des Entwurfs sind die Oberlichter aus Profilglas. Sie sollten in der Vorstellung der Architekten wie Laternen auf dem Dach «glimmen», insbesondere dann, wenn das Publikum aus dem Hallenstadion und dem Theater nach Hause strömt. Die Anlaufstelle fand Platz im Untergeschoss, von der Strasse her einfach und doch diskret erreichbar.
Kompliziert war der Bauablauf. Eine ehemalige Autobushalle, die Herter in sein Gebäude integriert hatte, musste nun abgebrochen werden. Doch ausgerechnet an dieser Stelle ragten die Cobra-Trams in die Baustelle hinein, wenn ihre Radsätze an der damals einzigen Schleifmaschine geschliffen wurden. Ein Provisorium sorgte aber für einen reibungslosen Betrieb.
Der Blickfang ist die Kunst — ein Schriftzug mit den Massen eines Cobra-Trams. «Du musst jetzt», liest, wer morgens in die Stadt fährt, «nach Hause gehn», wer abends auf dem Heimweg ist. Renate Grünenfelder und Hipp Mathis — der Bassist der Band «Die Aeronauten» — applizierten diese Botschaft aus einem Song der Band auf die gefältelte Betonwand.

Erweiterung Tramdepot, 2011

Tramstrasse 29, Zürich
– Bauherrschaft: Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich
– Architektur: Maier Hess Architekten, Zürich
– Bauleitung: Ghisleni Planen Bauen, Rapperswil
– Kunst-und-Bau: Hipp Mathis und Renate Grünenfelder, Zürich
– Auftragsart: Planerwahlverfahren, 2006
– Kosten (BKP 1–9): CHF 24,1 Mio.

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