Der Prime Tower als Kristall: Christian Kathriner lässt vielwinklige Formen aus Wand und Decke wachsen. Fotos: © 2011 all rights reserved Lorenz Ehrismann / Künstler

Kunst im Turm

Vor Kurzem ist die Anwaltskanzlei Homburger in den Prime Tower eingezogen. Aus dem alten Büro nahm sie ein Werk von Sol LeWitt mit und lud Künstler ein, für jedes der acht Stockwerke Wandmalereien zu entwerfen: Minimal Art in maximaler Höhe.

Die ruhigen Wogen des amerikanischen Künstlers Sol LeWitt sorgten schon seit 1993 für einen Farbtupfer in der Kanzlei Homburger. Diese Tradition wollte sie in ihrem neuen zu Hause im 25. bis 32. Geschoss des Prime Towers weiterführen. Also zügelten sie neben Aktenschränken und Computern auch die Arbeit «Wavy Horizontal Bands of Color». Will heissen: Die Schablonen wurden auf die neuen Wände angepasst und in mehrwöchiger Handarbeit aufgebracht. Das alte Werk wird später vernichtet. Die mehrschichtigen Wallpaintings sorgen für bunte Abwechslung in den von Gigon/Guyer dezent gestalteten Bürogeschossen.

Nicht nur das alte Werk sollte am neuen Ort hoch über Zürich wieder auferstehen, es sollten auch neue dazukommen. Also lud Kurator Ulrich Gerster sieben Künstler ein, für jedes Geschoss eine Wandmalerei zu entwerfen. Eine Ausnahme macht dabei Olefur Eliasson, ein weiteres Schwergewicht der Kunstszene. Seine sphärische Lampe dominiert den Eingangsbereich der Kanzlei räumlich und leuchtet den Kunden den Weg zur Rezeption. Die übrigen Arbeiten bleiben in der Fläche: Der Fotograf Hans Danuser applizierte ein Schriftbild, Sabina Lang und Daniel Baumann wickelten Farbbänder um einen der Kerne und Glen Rubsamen zeigt seine schwarzen Silouetten vor leuchtendem Himmel.

Stärker räumlich arbeitete der Künstler Beat Zoderer: Er klappte die Seitenflächen eines mehrfarbiger Würfels nach aussen und lässt so den Raum in mehrere Dimensionen ausgreifen. Daneben stechen zwei weitere Werke heraus. Katharina Grosse machte nicht Halt bei der Wand. Sie besprayte auch Decken, Schränk und Türen mit einem vielschichtigen Farbnebel. Christian Kathriners Werk schliesslich entwickelt sich ganz aus der Fläche heraus: Ausgehend von Volumenstudien des Prime Towers von Gigon/Guyer entwarf er über 600 kristallförmige Formen, die als Stukkatur Wände und Decken überzieht. In seiner Arbeit überlagern sich Raum, Konzept und Gebäudeidee zu einer surrealen Stimmung – hohe Kunst im höchsten Gebäude der Schweiz.

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