Kein Hüsli

Karamuk Kuo Architekten tarnen in Zollikon Mietwohnungen als Einfamilienhaus. Ein subversiver wohnpolitischer Akt, der das Quartier sozial aufmischt, ohne es umzukrempeln.

Fotos: Rory Gardiner

Karamuk Kuo Architekten tarnen in Zollikon Mietwohnungen als Einfamilienhaus. Ein subversiver wohnpolitischer Akt, der das Quartier sozial aufmischt, ohne es umzukrempeln.

Nein, das ist kein Einfamilienhaus. Auch wenn das Giebeldach, die Vorfahrt und der Garten den Anschein machen. Der Neubau, den Karamuk Kuo Architekten in Zollikon erstellt haben, ist ein Schaf im Wolfspelz, die bösartige Erscheinung nicht echt: Hinter der dunklen Hüslifassade verbergen sich fünf helle Mietwohnungen. Unscheinbar steht das Haus zwischen den Goldküstenvillen, die jedem zu verstehen geben: Wer hier lebt, ist Eigentümer. Der Blick über den Zürichsee will schliesslich verdient und bezahlt sein. Architektonische Anknüpfungspunkte gibt es zu viele in dem Quartier, in dem der Baustil nach jeder Hecke wechselt. Die Architekten suchten deshalb die Abstraktion und den Minimalismus, auch wenn das Haus dadurch etwas objekthaft wirkt. «Wir haben uns an einer ikonischen Hausform orientiert», sagt Jeannette Kuo. Das prototypische Hüsli als Tarnkleid. Selbstverständlich stand auch auf dieser Parzelle zuvor ein Einfamilienhaus, erbaut Ende der 1920er-Jahre. Doch als Robert Ammann dieses erbte, war für ihn klar: «Ich will mietbaren und bezahlbaren Wohnraum für viele schaffen, kein Wohneigentum für wenige.» Ein Umbau hätte viel gekostet und doch nur einer Familie mit grossem Portemonnaie ein Heim geboten. Und selbst wollte der Stadtmensch Ammann mit seiner Familie nicht in Zollikon wohnen, auch wenn seine Mutter in dem Haus aufgewachsen war. Also beauftragte er die Architekten, möglichst viele Mietwohnungen unterzubringen, ohne dass es die Nachbarn merken. Die Idee von Karamuk Kuo lautet: ein Haus, ein Ganzes. Statt eine Terrassensiedlung zu bauen, folgen sie mit einem Schrägdach der steilen Topografie und holen so das Maximum aus dem Baurecht heraus. Einzelne Räume versenken sie halb im Garten, um die Höhe noch besser auszureizen. Den Sichtbeton ziehen sie über die ganze Fassade, wodurch ein Sockel überflüssig wird, der das Haus in viele Teile aufgelöst hätte. D...

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