Horizontal strukturierte, leicht gefaltete Fassaden prägen die drei Neubauten. Fotos: Roger Frei

Fin de chantier: Zickzack am Park

Die Stadt Frauenfeld zeigt, dass gute Pflegedienste und individuelles Wohnen im Alter kein Widerspruch sind. In den Achtzigerjahren errichtete sie am Rande des ehemaligen Spitalparks ein Alterszentrum, später kam ein Pflegeheim hinzu. Nun ergänzt Matthias Ackermann die beiden Gebäude mit 70 Alterswohnungen, die er auf drei gleich grosse Volumen aufteilt.

In seinen eigenen vier Wänden wohnen bis ins hohe Alter, das wünschen sich viele. So wirken sie wie Mehrfamilienhäuser und gliedern sich ein in die Quartierstruktur. Die Stadt garantiert den Bewohnern, in ihrer Wohnung bis zu ihrem Tode bleiben zu können. Pflegedienste können sie bei Bedarf vom benachbarten Altersheim anfordern. So ermöglicht die Siedlung einen fliessenden Übergang von der Wohn- zur Pflegesituation.

Der Grünraum umfliesst die Bauten allseitig. Helle Bänder aus Kalksteinbeton legen sich rund um die Volumen. Sie betonen die Häuser in der Horizontalen und lassen keine Vor- und Rückfassaden entstehen. Die Betonstreifen wechseln ab mit braunen Fensterbändern. Die Gebäudekante springt abwechselnd vor und zurück und lockert so den strengen Bänderrhythmus auf. Wo sich Aussenräume befinden, knickt die Verglasung nach innen und bildet polygonale Terrassen. Weisse Stoffvorhänge entlang der Brüstung spenden Schatten.

Das Haus an der Hauptstrasse ist über einen kleinen Vorplatz mit Läden in den Stadtraum eingebunden. Bei den zwei hinteren Bauten bildet die Waschküche neben dem Eingang einen Ort der Begegnung. Die Bewohner gelangen über ein grosszügiges Treppenhaus zu ihren Wohnungen. Im Rundlauf um die einläufige Treppe wiederholt sich die umlaufende Bewegung der Fassade im Grundriss. Unter dem grossen Oblicht schimmert der feine Kalksteinbeton weiss bis gelb. Auch die übrigen Oberflächen sind hochwertig: Am Boden liegen Natursteinplatten, die Handläufe sind aus Eiche gefertigt. Die Wohnungen sind in konzentrischen Ringen organisiert. Die Schicht mit den Entrees lässt sich bei Bedarf zu einem umlaufenden Flur umbauen, der alle Zimmer zu einer Pflegestation verbindet. Ein frei stehendes Bad separiert den Wohnraum vom Schlafzimmer. Schiebetüren trennen Zimmer und Küche ab und schliessen den schmalen Durchgang zwischen Wohn- und Schlafzimmer. Ist er offen, verbinden sich die beiden Zimmer über die Terrasse zu einer fliessenden Raumabfolge.

Alterswohnungen Talacker, 2011

Oberwilerweg 1, Frauenfeld TG

– Bauherrschaft: Stadt Frauenfeld

– Architektur: Ackermann Architekt, Basel

– Landschaftsarchitektur: Martin Klauser, Rorschach

– Kosten BKP 1-9: CHF 29 Mio. (Kostenvoranschlag)

– Mietkosten: 2 Zimmer: ab CHF 60.– pro Tag, 3 Zimmer: ab CHF 81.– pro Tag

– Auftragsart: Projektwettbewerb 2006

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