Wie beim Schloss: die Bauakademie in Berlin aus Rohr und Blache. Bald soll sie wiederauferstehen. Fotos: Nightflyer / Wikimedia Commons

Die Bauakademie brennt wieder

In Berlin streitet man sich nicht mehr um den Wiederaufbau des Schlosses, sondern um die Zukunft der Schinkelschen Bauakademie daneben. Der vom Bund berufene Direktor ist Politiker, kein Architekt.

Die Bauakademie ist ein Deutscher Architektur-Mythos. 1836 eröffnete Karl Friedrich Schinkel sein Hauptwerk neben dem Berliner Stadtschloss. Er lehrte und wohnte darin. 1945 brannte das kubische Backsteingebäude aus, in der DDR räumte man die Überreste weg und baute das Aussenministerium an ihre Stelle. Seitdem dies 1996 abgerissen wurde, diskutieren die Berliner den Wiederaufbau der Bauakademie. 2016 gab der Deutsche Haushaltsausschuss überraschend 62 Millionen Euro dafür frei. Allerdings wollte man nicht denselben Fehler machen wie beim wiederaufgebauten Schloss, wo man noch über den Inhalt diskutierte, als die Fassaden schon wieder standen. Der Architekturwettbewerb zur Wiedererrichtung der Bauakademie hiess 2018 deswegen auch «Programmwettbewerb» und sollte einen «Ort für Diskurskultur über Architektur» vorschlagen. Fünf Teams gingen ex aequo daraus hervor. Welches davon zum Zug kommt und «wieviel Schinkel» es dabei sein darf, das wird der künftige Direktor der Anfang 2019 gegründeten Bundesstiftung Bauakademie entscheiden.

Bei der Suche desselben legte die Stiftung die Latte hoch: Die Person sollte eine «in der Welt des Bauens angesehene ... Führungspersönlichkeit» sein, «nationale wie internationale Entwicklungen und Debatten im Bauwesen» kennen und gestalten sowie «Erfahrung mit ... Museen, Ausstellungen, Messen, Festivals, Konferenzen» haben und «über ein lebendiges nationales und internationales fachlich weit gespanntes Netzwerk» verfügen. Im Sommer schwärmten Findungskommission und Headhunter aus. Und fanden: den niederbayerischen SPD-Abgeordneten Florian Pronold, 48, der von den verlangten Qualifikationen keine einzige erfüllt. Als Jurist ist Pronold «nie vom Pfad der Politkarriere abgewichen», wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. Jusos, SPD-Landesvorstand, Abgeordneter, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, SPD-Präsidium. Architektur? Ach ja, er war mal parlamentarischer Staatssekretär im Bauministerium und als solcher für die Akte Bauakademie zuständig. Er war Juryvorsitzende des Programmwettbewerbs und nun soll er der erste Direktor der Bundesstiftung Bauakademie werden, quasi der neue Schinkel. Der Widerstand liess nicht lang auf sich warten.

In einem offenen Brief an Bundesminister Seehofer kritisierten rund 200 Persönlichkeiten aus Architektur und Baukultur Ende November die Personalwahl, die mangelnde Transparenz des Verfahrens und die Zusammensetzung der Findungskommission. «Mit der Besetzung der Direktorenstelle (...) wird die Chance vergeben, die künftige Bauakademie als ein relevantes und international angesehenes Architekturzentrum, als lebendigen Ort der Architekturdebatte, der Baukultur zu etablieren.» Ob der Bundesminister das Ergebnis tatsächlich annullieren und das Bewerbungsverfahren noch einmal aufrollen wird, wie es die Unterzeichnenden fordern?

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