Arbeiterbaracke der Jungfraubahn von 1897: Darin hausten die Tunnelbauer. Fast alle waren Italiener. Fotos: Simon Weiss

Die Baracke der Tunnelbauer bleibt

Die Jungfraubahn darf ihre Arbeitersiedlung nicht abreissen. Das Berner Verwaltungsgericht hat dem Heimatschutz recht gegeben. Der Erhalt der historischen Häuser bei der Station Eigergletscher sei für das Unternehmen zumutbar.

Die Jungfraubahn darf zwei Zeugen der Bauzeit nicht abreissen. Das hat das Berner Verwaltungsgericht entschieden. Die Arbeiterhäuser von 1897 und 1910 stehen auf 2300 Meter über Meer am Fuss des Eigers – dort, wo die Zahnradbahn im sieben Kilometer langen Tunnel verschwindet. Das Bahnunternehmen wollte das Ensemble rund um die Station Eigergletscher verkleinern: die beiden ehemaligen Arbeiterunterkünfte abbrechen, nur Station, Remise, Personalhaus und Guesthouse erhalten.

Der Berner Heimatschutz erhob Einsprache. 2013 nahm die Denkmalpflege des Kantons Bern die gesamte Baugruppe als erhaltens- oder schützenswerte Objekte ins Inventar auf. Nun urteilte das Verwaltungsgericht, der Erhalt der Arbeiterhäuser sei mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens zumutbar und verhältnismässig. Die Jungfraubahn akzeptiert den Entscheid. 2015 transportierte sie eine Million Menschen zum Jungfraujoch. Zur Steigerung plant sie für 400 Millionen Franken eine umstrittene direkte Seilbahn von Grindelwald zum Eigergletscher.

Die beiden alten Arbeiterhäuser neben dem Stationsgebäude stehen seit Ende der 1990-er Jahre leer. Doch sie erzählen Tourismus- und Technikgeschichte und sind von hohem sozialhistorischem Wert. Während der Bauzeit der Jungfraubahn von 1896 bis 1912 waren bis zu 200 Arbeiter ganzjährig in den überfüllten und unzureichend geheizten Gebäuden untergebracht, die meisten davon Italiener. Die Baracke von 1897 sei eine der wenigen Arbeiterunterkünfte aus der Frühzeit des Eisenbahnbaus, die an Ort weitgehend erhalten geblieben ist, hielt die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege in einem Gutachten fest. Das Gebäude lege Zeugnis von den harten Arbeitsbedingungen ab. Während des Tunnelbaus starben 30 Menschen, 92 wurden zum Teil schwer verletzt.

Die Baracke ist ein zweistöckiger Bau mit Satteldach. Das Sockelgeschoss wurde aus örtlichem Gestein massiv errichtet und nachträglich verputzt. Die Fachwerkkonstruktion des Obergeschosses ist rötlich verputzt. Ein nordseitiger Korridor schliesst an einen neueren Verbindungstrakt zu den benachbarten Häusern an. Im Sockel befinden sich Lagerräume. Das Hauptgeschoss diente zuerst als Unterkunft, später als Kantine mit Küche und Speisesaal.

Das zweite, grössere Haus, um 1910 als Unterkunft mit Flachdach errichtet, ist in den 1920er-Jahren umgebaut worden: mit zeittypischer Fassadengestaltung und neuem Giebeldach. Türen und Einbauschränke stammen teilweise noch aus der Zeit dieses Umbaus. In seiner erfolgreichen Beschwerde hielt der Berner Heimatschutz fest, die Chancen einer selbsttragenden oder sogar wirtschaftlich interessanten Nutzung der beiden Häuser seien intakt. Vorerst können die schützenswerten Baudenkmäler ohne Nutzung erhalten bleiben.

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