Türen öffnen

Eine Tür öffnen wir meist ohne darüber nachzudenken, warum sie nach vorn oder hinten aufschlägt, nach links oder rechts. Zu unrecht.

Manchen Abläufen des Alltags schenken wir kaum noch Aufmerksamkeit. Bewegungen, werden wie selbstverständlich, fast automatisch ausgeführt. Nicht mehr hinterfragt, sondern akzeptiert. Etwa das Öffnen einer Türe. Nach innen oder außen. Rechts oder links. Platzsparend soll es sein. Meist an eine Wand geschlagen. So ist es üblich.
«Das Öffnen einer Tür in einem Raum ist oft von großer, vielfach vernachlässigter Bedeutung.» Der Wiener Architekt Josef Frank (1885–1967) versteht diesen Prozess des Öffnens nicht nur als Mittel zum Zweck. Wird der Türflügel nach Innen, an die Wand geöffnet, steht der Eintretende direkt im Raum. Er überblickt alles, «steht plötzlich da, Unruhe verbreitend». Jemand, der sich bereits im Raum befindet, ist vielleicht überrascht.
Wird der Türflügel jedoch in den Raum gedreht, bildet sich zwischen Türe und Wand ein Zwischenraum. Ein Bereich der vom Eintretenden durchschritten werden muss, um den Raum zu überblicken. «Der Raum bleibt ungestört.» Derjenige, der sich bereits im Raum befindet, kann sich auf den Eintretenden einstellen, kann sich sogar vorbereiten. In Räumen mit hoher Intimität, zum Beispiel Schlafräumen, sorgt dies für mehr Privatheit, ist aber nicht immer anwendbar.
«Ebenso ist es auch sehr wichtig, ob die Tür zum oder vom Öffnenden gedreht wird.» Nach Aussen geöffnet werden meist Eingangstüren. Einen Schritt nach hinten zu machen, bevor wir ein Gebäude oder einen Raum betreten, schafft Abstand. Eine letzte Verschnaufpause vor dem Betreten.
Diese Erwägungen sind nicht neu, sondern sehr alt. Aber dürfen wir sie deshalb vergessen oder vernachlässigen?

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Kommentare

Gustav 25.09.2015 17:41
"Diese Erwägungen sind nicht neu, sondern sehr alt. Aber dürfen wir sie deshalb vergessen oder vernachlässigen?" Gibt sicher eine Norm, die heute regelt, wie Türen sich zu öffnen haben. SIA, SN, VKF, whatever.
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