Wo heute noch Baustelle ist (links), soll es dereinst so aussehen (rechts). Fotos: Buol & Zünd Architekten

Raum für Jazz

Die Architekturstudierenden der ZHAW haben für das neue Semester die Aufgabe erhalten, eine Jazzschule zu entwerfen. Auf der Baustelle des Jazz Campus in Basel zeigten ihnen Lukas Buol und Marco Zünd, worauf sie achten müssen.

Seit vier Wochen läuft das neue Semester und wir Studentinnen und Studenten haben schon einiges erlebt: Die Diplome an die Studienabgänger sind verteilt, die einführende Kurzübung ist bewertet, die Semesterstartparty ist gefeiert und potenzielle neue Studierende sind über den Studiengang informiert. Nun geht’s ans Eingemachte. Die Studierenden im 5. Semester haben die Aufgabe bekommen, eine Jazzschule im Zürcher Hochschulquartier zu entwerfen. Keine leichte Übung. Neben der Positionierung im städtebaulichen Kontext sollen auch Themen wie das Tragwerkskonzept, die Haustechnik, die Gestaltung des Innenraums  und der Fassaden sowie selbstverständlich die Akustik behandelt werden. Damit in dreizehn Wochen ein anständiges Projekt zu Stande kommt, ist effizientes Arbeiten ein Muss.
Da eine Jazzschule ein nicht gerade alltägliches Projekt ist, hatten es unsere Dozenten schwer, Referenzobjekte zu finden. In Basel landeten sie einen Volltreffer. Das ortsansässige Architekturbüro Buol & Zünd baut dort einen Jazz Campus. Deshalb fuhren wir für einen Vormittag in die Rheinstadt. Lukas Buol und Marco Zünd erläuterten uns ihr Projekt unter den wachsamen Ohren von Akustiker Martin Lachmann. Wir konnten einiges lernen. Um die Schallübertragung von Raum zu Raum zu vermindern oder zu verhindern, müssen schwere Wände – zum Beispiel aus Beton – errichtet werden. Die Architekten koppeln die Räume teilweise gar komplett voneinander ab, mit einem Box-in-Box-System. Sie bauen einen kleineren Raum in den Hauptraum, ohne dass sich Wände, Böden und Decken berühren. Auch die Wandoberflächen sind speziell entworfen. Damit der Schall im richtigen Masse geschluckt und gestreut wird, haben Buol & Zünd mit Hilfe des Akustikers ein ausgeklügeltes System entwickelt. Um alle Frequenzen abzudecken, teilen die Architekten die Wände in der Höhe in drei Abschnitte. Diese werden unterschiedlich bekleidet. Während der unterste Teil für die Regulierung der Tieffrequenztöne zuständig ist, übernimmt der mittlere dieselbe Aufgabe für die Mittel-, der oberste für die Hochfrequenztöne. Die Räume müssen dabei auf die verschiedenen Vorlieben der Musiker eingehen. Möchte ein Schlagzeuger beispielsweise einen stark schallabsorbierenden Raum, mögen Sänger den Hall lieber.
Der Besuch auf der Baustelle  war spannend, weil wir im aktuellen Stadium einerseits die  Konstruktion inspizieren und gleichzeitig die Räume bereits fühlen konnten. Bleibt zu hoffen, dass die guten Schwingungen bei uns Studierenden langen Nachhall haben werden.

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