3D-druckbedingtes Farbenspiel durch Beimischung von Oxiden und Mineralien, Objekt nach dem Brand.

Keramik drucken

Studierende der Hochschule Luzern haben in der Werkstatt einen Kunststoff-Drucker in einen 3-D-Keramikdrucker umgebaut. Unsere Campus-Autorin beschreibt den Prozess und die Hindernisse.




Der Motor beginnt zu brummen, das singende Geräusch des 3-D-Druckers stimmt mit ein und die Düse setzt sich langsam in Bewegung. Der behelfsmässig auf einem Hocker platzierte Extruder befördert die feuchte Tonmasse in die Kartusche, bis sie durch einen Gartenschlauch zur Düse gelangt und von dort auf eine stabile Unterlage gedrückt wird. Die Düse zieht fast meditativ ihre Bahnen, ruckelt zwischendurch und lässt von Zeit zu Zeit einem Lufteinschluss Platz. Der 3-D-Keramikdrucker, der hier am Werk ist, steht in einer der Werkstätten des Departements Design und Kunst. Studentinnen und Studenten haben ihn aus einem umfunktionierten Kunststoff-Filamentdrucker gebaut.

Als ich vom Projekt dieses Umbaus hörte, war mein Interesse geweckt und ich stellte mir bereits bildhaft vor, was alles mit dieser Maschine entstehen könnte. Doch bis zur vollständigen Kontrolle des Gerätes sollte es noch ein langer Weg sein, der mich und alle weiteren Beteiligten viel über das Verständnis der Maschine lehrte. Der immense Druckaufbau im Verbindungsschlauch zwischen Extruder und Düse verformte beispielsweise die Metallschnecke oder die handaufbereitete dünnflüssige Tonmasse liess die Objekte nach einer gewissen Druckhöhe in sich zusammenfallen – solche Probleme bedurften einer kreativen Lösung. Mich interessierte weniger der Umbau des Gerätes, als der Druckprozess, was mich auch dazu antrieb, hartnäckig am Versuchsprojekt dran zu bleiben, bis der Keramikdrucker nahezu einwandfrei funktionierte.

Aus einer Keramikerfamilie stammend, erinnerte mich der digitale, dreidimensionale Aufbau von Tonmasse ans zu Hause praktizierte Drehen an der Töpferscheibe. Der 3-D-Keramikdruck schlägt für mich eine Brücke zwischen Tradition und Moderne und eröffnet neue Möglichkeiten im Umgang mit Keramik. Die Option, in das digital gesteuerte Werkzeug eingreifen zu können, sowie die Eigendynamik des keramischen Materials, ermöglichen eine spannende Basis, um als Gestalterin neue Ansätze von Formen und Texturen zu schaffen. So zeigen meine ersten Druckversuche ein Farbenspiel, das durch eingefärbte Tonsorten entstanden ist. Die maschinelle Wiederholbarkeit in Kombination mit den naturgegebenen Irregularitäten des Werkstoffes faszinieren mich und treiben mich an, meine Bachelorarbeit dieser Thematik zu widmen.

Mittlerweile wurde der 3-D-Drucker mittels eines Ergänzungsbausatzes optimiert, sodass die Kartusche fix platziert ist und sich der Druckteller bewegt. Nun steht meinen Experimenten nichts mehr im Wege.

* Nora Wagner studiert im 6. Semester Objektdesign an der Hochschule Luzern Design & Kunst.

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