Man hat Praktikanten gerufen, und es kommen Architekten

Ricardo Dias und Michele Broglia halten ihre Ellbogen eher am Körper und fahren sie nicht aus. Zu Besuch bei einem Team, das zurückhaltend entwirft.

Fotos: Lee Li / Photography

Ricardo Dias und Michele Broglia halten ihre Ellbogen eher am Körper und fahren sie nicht aus. Zu Besuch bei einem Team, das zurückhaltend entwirft.

Der eine ist Italiener, der andere Brasilianer. Und doch sei ihr Entwurf ‹sehr schweizerisch›, sagen Michele Broglia und Ricardo Dias selbst. So paradox, wie es sich anhört, ist es nicht: Sie haben zwar in Mailand, Rio, Berlin und Porto studiert, aber beide arbeiten seit mehr als einem Jahrzehnt in Architekturbüros in Zürich. Mit ‹schweizerisch› meinen sie in ihrem Siegerprojekt für die Schule Tüffenwies ‹einfach›, ‹rigid›, ‹effizient› oder ‹kompakt›. Überhaupt war diese Kompaktheit einer der Gründe, warum sie den Wettbewerb gewonnen haben. Broglia und Dias gehören zu jener Generation, die in den letzten Jahren den Mangel an Architektinnen und Architekten in der Schweiz aufgefüllt hat. Sie begannen wie in der Szene üblich als Praktikanten und bekamen erst nach ein paar Monaten einen Architektenlohn. Dabei lernten sie in ambitionierten Büros wie Gmür & Geschwentner, Müller Sigrist und Camponovo Baumgartner die hiesige Wettbewerbskultur kennen und schätzen. Doch neu ist, dass Einzelne dieser Generation sich selbstständig machen und Wettbewerbe gewinnen, so wie Sofia Guerra (Portugal), Arthur Clauss (Frankreich) und Alejandro Garin (Uruguay), die jetzt ein Bürohaus in Basel bauen, übrigens auch ein Projektwettbewerb im offenen Verfahren. Zurück zum Zürcher Siegerprojekt: Mit viel Fantasie liessen sich Analogien zu Entwürfen von Paulo Mendes da Rocha finden. Auch wenn die zwei jungen Architekten beteuern, es sei Zufall, zitieren sie während des Atelierbesuchs in einem Hofgebäude im Zürcher Kreis 4 doch mehrmals den brasilianischen Architekten. Wie gewinnt man einen Wettbewerb? Zuerst brauchte es in Zürich-Altstetten ein klare Haltung zur Aufgabe. Die haben Broglia und Dias mit langem Reden bestimmt: Das schwierige Restgrundstück sahen sie als Chance, um eine Verbindung zum nahen Park und ein Tor ins Quartier zu schaffen. Darum musste das...

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?