1. Preis: Hohe Räume, weiter Blick

Das Projekt lässt Platz für den alten Baumbestand, erlaubt den reibungslosen Ablauf des Fernbusverkehrs und schafft neuen Freiraum fürs Quartier. Die Jury des Hawa Student Award 2020 verlieh dafür den 1. Preis.

In Zusammenarbeit mit Hawa Sliding Solutions

Das Projekt lässt Platz für den alten Baumbestand, erlaubt den reibungslosen Ablauf des Fernbusverkehrs und schafft neuen Freiraum fürs Quartier. Die Jury des Hawa Student Award 2020 verlieh dafür den 1. Preis.

Der Fokus von Nathalie Birkhäuser und Roman Venzin liegt auf einem möglichst kleinen Fussabdruck. Dieses Ziel erreichen sie mit einem Hochhaus in der westlichen Ecke des Grundstücks. Ergänzt wird es durch einen leicht abgesetzten, rechtwinklig dazu angeordneten zweistöckigen Baukörper, der den Fernbusbahnhof und gemeinschaftliche Nutzungen aufnimmt. Das Hochhaus steht parallel zur Limmatstrasse und markiert mit seiner Höhe von 97 Metern den Beginn des langen Strassenzugs. Der Anbau wiederum orientiert sich an den Dimensionen der angrenzenden Gebäude. Der Rest der Parzelle bleibt frei – so kann auch ein Grossteil des alten Baumbestands erhalten bleiben. Es entsteht einerseits ein grosszügiger Freiraum für das ganze Quartier und andererseits genügend Platz für den reibungslosen Ablauf des Fernbusverkehrs.

Das 35-stöckige Hochhaus markiert den Eingang ins Quartier und spielt grosszügige städtische Räume frei.

Im zweistöckigen Baukörper finden ebenerdig sechs Busse Platz, ausserdem sanitäre Anlagen, Wartebereiche für die Passagiere und Aufenthaltsräume für das Buspersonal. Im Stockwerk darüber befindet sich ein Teil der Gemeinschaftsräume für die Bewohnerinnen und Bewohner des Hochhauses. Hier werden vor allem die geräuschvolleren Nutzungen zusammengefasst, etwa ein gemeinschaftlicher Essbereich, eine grosse Küche sowie eine Lounge mit einer Bühne für Konzerte und andere Veranstaltungen. Das Dach des Busbahnhofs dient den Bewohnern als Terrasse und wird gegen Nordwesten hin auf der ganzen Länge durch einen schmalen Aufbau abgeschlossen. Darin sind die Waschküchen und die Trocknungsräume eingerichtet. Ein geschlossener Durchgang verbindet die Gemeinschaftsbereiche mit dem Hochhaus, in dem die Wohnungen untergebracht sind.

Die über jeweils drei Geschosse zusammengefassten Einheiten teilen sich einen multifunktionalen Laubengang.

Dreigeschossige Laubengänge
Auf Strassenhöhe liegt zwischen Busbahnhof und Hochhaus ein schmaler Durchgang. Restaurants und Geschäfte sowie der Veloabstellraum für die Mieterinnen und Mieter belegen das angrenzende Erdgeschoss des Wohnhochhauses. Im Stockwerk darüber befinden sich die ruhigen Gemeinschaftsräume: Hier können die Bewohnerinnen und Bewohner in Co-Working-Spaces oder Einzelbüros arbeiten, Sitzungen abhalten oder sich in der Bibliothek entspannen. Drei Lifte und ein Treppenhaus erschliessen in der Gebäudemitte die 33 Wohngeschosse. Auf jedem Stockwerk finden sechs 1-Zimmer- und zwei 2-Zimmer-Wohnmodule Platz, die auf der Seite zur Limmatstrasse hin über eine verglaste Laubengangzone erschlossen werden. Diese reicht jeweils über drei Etagen und dient den Bewohnerinnen und Bewohnern als halbprivater Raum. Bei den oberen beiden Stockwerken einer solchen Einheit ist der Erschliessungskorridor als Galerie ausgebildet. Sie macht den Blick und die Kommunikation über alle drei Geschosse hinweg möglich und sorgt so für nachbarschaftliche Nähe.

Eingeschobene Holzmodule
Die 1-Zimmer-Wohnungen sind um einen zentralen Kern mit Küchenzeile und Sanitärbereich herum organisiert. Diese Mittelzone teilt die Wohnung in einen Wohn- und einen Schlafbereich. Mit Schiebetüren lässt sich das Raumgefühl regulieren: Weite bei geöffneten, Intimität bei geschlossenen Türen. Das Bett steht in einer Nische mit grossem Fenster. Davor verläuft über die ganze Breite der Wohneinheit ein schmaler privater Balkon mit Ausrichtung nach Nordosten. Die 2-Zimmer-Wohnungen sind links und rechts des Erschliessungskerns angeordnet. Ihr Grundriss entspricht demjenigen der 1-Zimmer-Wohnungen, ergänzt um eine zusätzliche Schlafkoje.

Eine zentrale Nasszelle teilt den Grundriss längs in einen Wohn- und einen Schlafbereich.

Die Unterteilung in dreigeschossige Einheiten ist auch an der Tragstruktur und der äusseren Erscheinung des Gebäudes ablesbar. Die Tragstruktur besteht aus einer in Beton ausgeführten Schottenbauweise. Jede der in einem Abstand von zehn Metern angeordneten Schotten reicht über drei Geschosse. So entstehen hohe Kammern, in die die in vorgefertigter Holzbauweise erstellten Wohnmodule eingeschoben sind. Aussenliegende Betonstützen ergänzen die Tragstruktur im Fassadenbereich. Ihr Rhythmus prägt das Fassadenbild des Hochhauses.

1. Preis
Nathalie Birkhäuser (26) und Roman Venzin (27), Fachhochschule Nordwestschweiz, Muttenz


Kleiner Fussabdruck: Der Situationsplan zeigt, wie im Erdgeschoss Busbahnhof, Stadtplatz und Wohnscheibe zusammenspielen.
Grundriss Erdgeschoss: Auf Strassenhöhe liegt zwischen Busbahnhof und Hochhaus ein schmaler Durchgang. Hier sind auch Restaurants und Geschäfte sowie der Veloabstellraum für die Mieterinnen und Mieter untergebracht.
Im ersten Obergeschoss liegen Gemeinschaftsräume wie Bibliothek, Büros oder ein riesiges Wohnzimmer.
Grundriss 3. Obergeschoss (Regelgeschoss Wohnscheibe): Auf dem Dach des Busbahnhofs öffnet sich die Waschküche auf eine grosse Terrasse.
Im Wohnturm werden jeweils drei Geschosse zu kleineren Einheiten zusammengefasst.
Eine zentrale Nasszelle teilt den Grundriss in einen Wohn- und einen Schlafbereich.

Dieser Artikel ist Teil des Themenfokus «Alleine wohnen, miteinander leben», den Hochparterre in Zusammenarbeit mit Hawa Sliding Solutions zum Hawa Student Award 2020 erstellt hat.

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