Astrid Staufer ist Partnerin im Architekturbüro Staufer & Hasler und lehrt an der TU Wien und der ZHAW in Winterthur.
Astrid Staufer ist Partnerin im Architekturbüro Staufer & Hasler und lehrt an der TU Wien und der ZHAW in Winterthur.

CAP-Talk #5 mit Astrid Staufer

Der ‹Climate Action Plan› (CAP) der Klimastreik-Bewegung fordert ein radikales Umdenken. Was können Architektinnen und Architekten beitragen? Werk, bauen + wohnen und Hochparterre befragen die Baubranche.

Text: Axel Simon
03.12.2021 20:33

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Um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen, fordert der CAP – der Climate Action Plan der Klimabewegung – einen umfassenden Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft. Denn nur harte Massnahmen können die Klimaerwärmung stoppen. Doch ist ein so einschneidendes Aktionsprogramm möglich? Werk, bauen + wohnen und Hochparterre führen diese Diskussion angesichts ihrer Bedeutung gemeinsam. Die Serie CAP-Talks, die in beiden Zeitschriften online und gedruckt erscheint, fragt nach bei etablierten und jungen Vertreterinnen und Vertretern der Baubranche. Die Zeit drängt, und die bisher in der Schweiz beschlossenen Massnahmen genügen kaum, um die Klimaerwärmung zu drosseln. Was können Architektinnen und Architekten beitragen? In den bisherigen CAP-Talks antworteten Ludovica Molo, Friederike Kluge, Adrian Altenburger und Philippe Jorisch. Nun hat Axel Simon mit Astrid Staufer von Staufer & Hasler Architekten gesprochen.

Astrid Staufer
Nach ihrem Architekturstudium an der ETH 1989 arbeitete sie bei Meili Peter Architekten. 1994 gründete sie zusammen mit Thomas Hasler das Architekturbüro Staufer & Hasler in Frauenfeld und Zürich. Nachdem Astrid Staufer an der ZHAW, der ETH und EPFL lehrte, leitet sie 2004-07 und ab 2015 das Institut Konstruktives Entwerfen an der ZHAW in Winterthur, seit 2018 zusammen mit Andreas Sonderegger. Seit 2011 ist sie gemeinsam mit Thomas Hasler Professorin für Architektur und Konstruktion an der TU Wien. 2015 erhalten beide den Prix Meret Oppenheim des Bundesamtes für Kultur.
 
CAP-Talk
Die Gesprächsserie von Hochparterre und werk, bauen + wohnen zum Climate Action Plan (CAP) der Schweizer Klimastreik-Bewegung.
CAP-Talk #1 mit Ludovica Molo
CAP-Talk #2 mit Friederike Kluge
CAP-Talk #3 mit Adrian Altenburger
CAP-Talk #4 mit Philippe Jorisch

Klima-Aktionsplan
Der Klima-Aktionsplan bietet auf knapp 350 Seiten differenzierte und umfassende Informationen zur CO2-Reduktion sowie eine in 12 Kapitel gegliederte Tabelle mit Massnahmen. Ein Jahr lang haben Wissenschaftler*innen, Expert*innen und Klimastreikende den umfangreichen Plan ausgearbeitet. Der gesamte Klima-Aktionsplan findet sich unter climatestrike.ch.

Drei Massnahmen aus dem Kapitel Gebäude und Raumentwicklung

Massnahme 1.1 : Moratorium auf neue Infrastruktur bis 2030
Von 2021 bis 2030 können keine neuen konventionellen Gebäude und keine neue Verkehrsinfrastruktur gebaut werden. Planung- und Baugenehmigungen beschränken sich auf die Nachrüstung und Renovierung bestehender Infrastruktur und Gebäude. Ausnahmen können vorgesehen werden für: Infrastruktur, die netto positiv ist (reduziert mehr Treibhausgase, als sie bei der Produktion ausstösst), die erneuerbare Energie erzeugt (z.B. Windturbinen), zur Dekarbonisierung des Mobilitätssektors beiträgt (z.B. Fahrradwege), wichtige neue Technologien für den Wandel produziert (z.B. Batterien) oder dringend benötigte öffentliche Infrastruktur darstellt (z.B. Schulen).

Massnahme 3.3: Förderung von biologisch basierten Baumaterialien
Um die Produktion, die Lieferkette und die Verwendung von biologisch basierten Baumaterialien zu fördern, muss jedes neue Bauprojekt in der Schweiz bis 2022 mindestens 50% Holz oder andere organische Materialien wie Hanf oder Stroh enthalten. Dies wird zu einer Verkleinerung des Abbaus und der Produktion von Zement, Stahl, Kalkstein und Eisenerz führen. Zudem bietet diese Massnahme ein erhebliches Potenzial zur Speicherung negativer Emissionen.

Massnahme 3.7: Digitales Materialarchiv und Bauteilemarkt zur Unterstützung zirkulärer Materialkreisläufe
Um klimaneutrales und kohlenstoffspeicherndes Bauen zu fördern, werden Materialkreisläufe benötigt. Das heisst, Bauteile und Materialien sollen vollständig wiederverwertet werden können. Zu diesem Zweck werden ein Bauteile- und Materialaustausch sowie ein nationales Bauteilearchiv aufgebaut.

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