Redaktorin Maarit Ströbele wünscht sich, dass Raumplanung auch die Verzichtsplanung mitdenkt.
Redaktorin Maarit Ströbele wünscht sich, dass Raumplanung auch die Verzichtsplanung mitdenkt.

Raum pflegen – mit Bedacht

Vor 13 Jahren verabschiedete die Schweiz ein erstes Raumkonzept. Nun liegt die Neuauflage dieses zentralen Strategiedokuments zur Vernehmlassung vor.

Text: Maarit Ströbele
18.02.2025 08:00

Der Entwurf zum Raumkonzept 2050 blickt optimistisch 25 Jahre voraus. Viel stärker als sein Vorgänger betont es die gemeinsame Planung; Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit spielen eine zentrale Rolle. Es geht um Care, um Sorgfalt, wie gleich zu Beginn zu lesen ist: «Der Platz in der Schweiz ist beschränkt, und der Boden ist ein kostbares Gut. Wir müssen sorgsam damit umgehen.» Raumpflege also statt Raumplanung, denn die Schweiz ist keine Tabula rasa mehr, sondern ein komplexes Interieur, ein verschachteltes Raumgefüge mit vielen unterschiedlichen Bodenbelägen, Möbeln, Nippsachen. Gutes erhalten und Platz für Neues schaffen, so fasst es das Konzept zusammen. Die gegenüber der Version aus dem Jahr 2012 noch dezidiertere Anerkennung der Komplexität und das klare Bekenntnis zu Kooperation sind die Stärken des Entwurfs.

Wo weiter mit der Innenentwicklung?
Während 13 Jahren wurde aus- und umgebaut, an neuen Infrastrukturen geplant entlang den Grundsätzen des Raumkonzepts 2012. Das Primat der Innenentwicklung, eine Reaktion auf die Zersiedelung, führt allmählich zu gewünschten Entwicklungen wie dichteren Quartieren in der Agglomeration, sorgfältig geplanten öffentlichen Räumen und koordinierter Verkehrs- und Siedlungsplanung. Allerdings nicht überall. Grenzabstandwahrende Klötzli schiessen aus dem Boden, Siedlungsgrün verschwindet, der Autobestand wächst schneller als die Bevölkerung.

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