Die Bevölkerung wächst – und sie braucht Wohnraum. Aber wo sollen weitere 1,4 Millionen Menschen leben und arbeiten? Für Sibylle Wälty und Miriam Lüdi ist Grundordnung der Nutzungsplanung der stärkste Hebel.
Wie die Schweiz wachsen kann (2/4)
Die Bevölkerung wächst – und sie braucht Wohnraum. Aber wo sollen weitere 1,4 Millionen Menschen leben und arbeiten? Für Sibylle Wälty und Miriam Lüdi ist Grundordnung der Nutzungsplanung der stärkste Hebel.
Fotos: Zoë Miserez (Illustration)
Gemäss mittlerem Szenario des Bundesamts für Statistik wächst die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz bis 2055 auf 10,47 Millionen an. Innerhalb von drei Jahrzehnten muss also zusätzlicher Wohnraum für knapp 1,4 Millionen Menschen entstehen – das entspricht immerhin dem Zehnfachen der Bevölkerung der Stadt Bern.
Dass dies eine immense städtebauliche und gesellschaftliche Herausforderung darstellt, liegt eigentlich auf der Hand. Trotzdem vermittelt das ‹Raumkonzept Schweiz 2050›, das die raumplanerischen Ziele von Bund, Kantonen und Gemeinden festlegt und im Jahr 2026 verabschiedet werden soll, den Eindruck, dass die absehbaren Veränderungen moderat und die anstehenden Aufgaben ohne Weiteres bewältigbar seien. Wir hingegen finden: Es braucht die offene Diskussion, es braucht Ideen, Bilder und konkrete Szenarien. Im Anschluss an unseren Artikel ‹Sag mir, wo die Wohnungen sind› (Hochparterre 8/ 2025) publizieren wir hier vier Meinungsbeiträge. Sie alle antworten auf die ebenso einfache wie vertrackte Frage: Wie und wo kann zusätzlicher Wohnraum für 1,4 Millionen Menschen entstehen?
Die Grundordnung der Nutzungsplanung als stärkster Hebel von Sibylle Wälty, Miriam Lüdi
Bis 2050, vermutlich bereits 2035, wird die Schweiz rund eine Million zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner haben. Zehn Millionen Menschen werden hier leben. Die Frage ist: Wollen wir weiter zersiedeln, die Abhängigkeit vom Auto erhöhen und damit Klima, Landschaft und soziale Gerechtigkeit belasten? Oder schaffen wir die Wende: lebendige Nachbarschaften in bezahlbarem Wohnraum, die die Klima- und Verkehrspolitik voranbringen?
Der Schlüssel liegt in der Grundordnung der Nutzungsplanung, einem Instrument, das in der politischen Debatte bislang zu wenig Beachtung fand. Sie regelt nicht nur die Quantität, also die Menge an Bauvolumen, sondern auch die Qualität: Grenzabstände, Gebäud...
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