Pixelparadiese
Inspiriert von Malerei und Natur, entwickeln 3-D-Künstler und Designerinnen virtuelle Landschaften. Wo beeinflussen sie die Realität? Eine interdisziplinäre Spurensuche.
Was sucht der Mensch in virtuellen Landschaften? Und wie finden sie Eingang in Design und Landschaftsarchitektur, in unsere reale Alltagswelt? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, haben wir die Ausstellung ‹Hyperscapes – Virtuelle Landschaft als Sehnsuchtsort?› besucht, die das Kornhausforum gemeinsam mit der Berner Designstiftung bis Anfang 2023 gezeigt hat. Mit dem Controller auf einem weichen Sofa sitzend, verloren wir uns in wandfüllenden Hügeln voller Bäume und geheimnisvoller Ruinen. Daneben leuchtete ein menschenleeres Traumhabitat mit übergrossen Pilzen, Pflanzen und einer planetaren, vernetzten Natur. Wir trafen dort auf ein Motiv, das in der Kunst- und Literaturgeschichte eine wichtige Rolle spielt: die unberührte Natur als reine Schöpfung, die das Wahre und Gute verkörpert – als Gegenwelt zum Menschen, der die krankmachende Zivilisation am besten verlässt, um in der Wildnis zu seinen Wurzeln zu finden. Menschen versuchen seit Tausenden von Jahren, die Natur abzubilden. Auch im frühen digitalen Raum: ‹Supermario› rannte über pixelige Hügel in giftigem Grün, vorbei an Bäumen und übergrossen Blütenköpfen. Heute reiten Cowboys durch die sonnenbeschienene Wildnis von ‹Red Dead Redemption 2› – Heldinnen und Helden brauchen einen Raum, um agieren zu können. Auch virtuelles Modellieren ist beliebt: ‹The Age of Empire› und ‹Lego Minecraft› machen jeden zum Weltenbauer. Mittlerweile lassen sich digitale Landschaften frei nach unseren Vorstellungen gestalten, die Natur ist dabei eine immer fernere Vorlage. Auffallend ist, wie konsequent menschenleer viele davon sind. Fast scheint es, als markierten die Bilder den Beginn einer posthumanen Ära, in der sich die Natur zurückerobert, was sie zuvor hergeben musste.
Virtuelle Welten in Wien
Das Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien zeigt derzeit die Ausstellung ‹/imagine: Eine Reise in die Neue Virtualität›. Sie bietet einen Überblick über die neuen Gestaltungsstrategien und versammelt Projekte von Künstlern, Architektinnen und Designern, die sich mit dem virtuellen Raum auseinandersetzen. Im dritten von insgesamt vier Kapiteln sind auch die Arbeiten von Alexis Christodoulou und Charlotte Taylor ausgestellt; der Titel lautet passenderweise ‹Dreamscapes›. Die Ausstellung findet bis 10. September 2023 statt. www.mak.at