Ist ein solch grosser Vorplatz hier wirklich am richtigen Ort? Das Siegerprojekt von Schmidlin Architekten
Ist ein solch grosser Vorplatz hier wirklich am richtigen Ort? Das Siegerprojekt von Schmidlin Architekten

Kontemplativ oder kommunikativ?

Der Wettbewerb um das Kunstmuseum Bern ist entschieden: Durchgesetzt hat sich nicht die beste Lösung für die Stadt, sondern ein bewährtes und mehrheitsfähiges Bild.

Text: Axel Simon
05.11.2024 14:00

Wenn alle schweigen, stimmt etwas nicht. Beim internationalen Wettbewerb für die Erneuerung und Erweiterung des Kunstmuseums Bern sickerte bis zur Medienkonferenz nichts durch. Der Satz, der bei der Recherche am häufigsten fiel: «Kein Kommentar.» Das Ergebnis dieser Recherche: Der Entscheid der Jury war nicht einstimmig und diese bis zum Schluss gespalten. Was ja auch okay ist. Architektur ist komplex. Haltungen sind unterschiedlich.

Die Vorgeschichte
Das 1879 fertiggestellte Stammhaus von Eugen Stettler erfuhr eine erste Erweiterung im Jahr 1936 durch die Architekten Karl Indermühle und Otto Rudolf Salvisberg. Aus einem Vorprojekt von 1975 ging der nächste Erweiterungsbau hervor. Der Annex nach Plänen von Atelier 5 steht seit 1983 auf den Fundamenten der ersten, abgebrochenen Erweiterung. Schon 1993 musste er saniert werden. 2006 folgte ein offener Wettbewerb zur nächsten Erweiterung, die das denkmalgeschützte Ensemble aus Stettler- und Atelier-5-Bau auf der Seite des Aarehangs ergänzen sollte. Das Architekturbüro Bachelard Wagner gewann mit einem Projekt, das die Nordseite des Stettler-Baus durch einen Anbau vollständig verdecken sollte und darum aus denkmalschützerischen Gründen nicht bewilligungsfähig war. Auch das zweitplatzierte Projekt, der Entwurf von Baserga Mozzetti, liess sich aus Kostengründen nicht realisieren.
Im Jahr 2017 scheiterte ein Projekt zur Sanierung und Erweiterung des Atelier-5-Baus am Vergabeverfahren. Eine Machbarkeitsstudie von 2018 und zahlreiche Partizipationsveranstaltungen dienten als Basis für den aktuellen Projektwettbewerb, der 2022 ausgeschrieben wurde.

Zukunft Kunstmuseum Bern
Projektwettbewerb im selektiven Verfahren
Präqualifikation: 148 Büros
Teilnahme: 39 Büros; 2. Stufe: 11 Büros; Bereinigungsstufe: 3 Büros
Auftraggeberschaft: Stiftung Kunstmuseum Bern
Fachjury: Elisabeth Boesch, Jean-Daniel Gross, Thomas Hasler (Vorsitz), Anna Jessen, Boris Podrecca, Sibylle Aubort Raderschall, Annabelle Selldorf, Peter Zumthor, Tina Gregorič
Sachjury: Alfons Bichsel, Jonathan Gimmel, Alec von Graffenried, Marieke Kruit, Benjamin Marti, Hansjörg Wyss, Nina Zimmer, Alex Wassmer
Jurierung Bereinigungsstufe: Juli 2024

1. Rang: Schmidlin Architekten, Zürich und Engadin
2. Rang: Park Architekten und Philip Ursprung
3. Rang: EM2N Architekten
4. Rang: AFF Architects + Bruno Fioretti Marquez
5. Rang: Caruso St. John Architects

Mehr Infos zum Wettbewerb finden sich im Heft ‹Hochparterre Wettbewerbe›, Ausgabe 5/2024.

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