Zurück zum einfachen Wettbewerb! Fotos: Karin Hauser (Illustration)

Einfach und leicht

Die Laborgruppe «Steigender Aufwand» ist angetreten, um die Arbeitslast in den Planungswettbewerben zu senken. Zurück zum einfachen Wettbewerb, lautet ihr Vorschlag.

Ist der Aufwand für Wettbewerbe in den vergangenen fünf Jahren tatsächlich gestiegen? Ja, sagten 88 Prozent der befragten Architekturbüros in einer Umfrage, die Hochparterre gemeinsam mit Enzmann Fischer Partner 2021 durchgeführt hat. Die Laborgruppe, in der auch erfahrene Wettbewerbsteilnehmer*innen vertreten waren, suchte also zuerst nach den Zeitfressern. Zuoberst auf dieser Liste landeten die mehrstufigen Verfahren, die den Teilnehmer*innen mindestens doppelt so viel Arbeit bescheren wie ein einstufiger Projektwettbewerb. Auf Platz zwei mit ähnlich vielen Zusatzstunden rangieren unvorhergesehene Überarbeitungen während des Verfahrens. Die Arbeitsgruppe war sich einig: Der Nutzen von Mehrstufigkeit und Überarbeitung steht in keinem Verhältnis zum zusätzlichen Aufwand. Als weitere Zeitvergeudung, die die Qualität der Wettbewerbsprojekte nur selten verbessert, machte die Gruppe BIM (Zusatzaufwand zwei bis vier Wochen), ungenügend aufbereitete Grundlagenpläne (ein bis drei Wochen), Zwischenpräsentationen (ein bis zwei Wochen), unnötige Berechnungen (drei bis fünf Tage), eine grosse Anzahl Abgabepläne (ein bis zwei Tage) und ein umfangreiches Programm mit Beilagen (ein bis zwei Tage) aus. Zwar gebe es auch Ehrgeiz und Übereifer unter den teilnehmenden Büros, aber das sei nicht entscheidend.

Eine Lösung, die allen nützt
Die Laborgruppe begann ihre Arbeit unter dem Namen «Steigender Abgabeaufwand». Schnell war jedoch klar: Die aufgeblasenen Verfahren verursachen nicht nur aufseiten der Teilnehmer*innen mehr Arbeit, sondern auch bei der Ausschreibung. Ein Beispiel aus der Stadt Zürich: Vorprüfungsberichte, die kein Jurymitglied lesen kann, weil ihnen die Zeit fehlt und sie sich auf das Wesentliche konzentrieren müssen – die Architektur. Die Gruppe vertritt die Meinung, dass schlanke Verfahren auch die Auslober*innen entlasten, und fordert darum: zurück zum einfachen Wettbewerb!
Die lancierte Lösung soll allen nützen, denn sie ist schnell, bewährt, fair und günstig. Sie basiert vor allem auf dem einstufigen anonymen Projektwettbewerb. Die Gruppe will andere Verfahren wie Studienaufträge oder Gesamtleistungsverfahren verbannen und auf jegliche Bereinigungsstufen und Überarbeitungen verzichten. Offene und selektive Verfahren oder solche auf Einladung könnte es trotzdem noch geben. Die Teilnehmer*innen liessen sich also weiterhin auf verschiedene Weise rekrutieren. Zwar will die Laborgruppe auch die Programme, die Abgaben, die Vorprüfungen und die Jurierungen verschlanken und hat dafür einen bunten Strauss an Vorschlägen erarbeitet. Wichtiger ist ihr aber die Abschaffung der Mehrstufigkeit. Für die Gruppe ist klar: Geringerer Aufwand ist nicht mit Verzicht verbunden, und die architektonische Qualität ist auch bei ihrem einfachen Wettbewerb gewährleistet. Zudem liessen sich die Gewinnchancen für Klein- und Jungbüros erhöhen, die heute gewisse Wettbewerbe gar nicht bewältigen können. Der Planungswettbewerb ist ein Erfolgsmodell, das durch die gestiegenen Aufwände gefährdet ist. Das will die Gruppe verhindern.

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