Das Erlenmatt-Areal in Basel: zwanzig Jahre Planung, zwei grundverschiedene Entwickler und Lebenswelten, ein grosser Park. Was fehlt der Siedlung zur Stadt?
Das Erlenmatt-Areal in Basel: zwanzig Jahre Planung, zwei grundverschiedene Entwickler und Lebenswelten, ein grosser Park. Was fehlt der Siedlung zur Stadt?

Das Grosskapital und die Gutmenschen

Auf dem Basler Erlenmatt-Areal stehen sich zwei Welten gegenüber. Von beiden lässt sich lernen, im guten wie im schlechten Sinn. Bilanz und Ausblick.

Text: Palle Petersen
Fotos: Christian Aeberhard
04.11.2019 13:37

Auf der Erlenmatt ist einiges schiefgegangen. Mit einer Ausnützung von 1,14 ist das Areal aus heutiger Sicht viel zu wenig dicht. Bis auf eine alte Kantine, ein Silo und einen Verwaltungsbau machte man Tabula rasa. Publikumsnutzungen fehlen an wichtigen Stellen, die Schule ist quasi im Hinterhof verstaut, und die Architektur ist bisweilen banal. Die Erlenmatt wirkt vorstädtisch. Trotzdem ist das 19 Hektar grosse Areal für 3000 Bewohner und 800 Arbeitsplätze keine reine Fehlplanung. Im Westen haben private Entwickler und Investoren eines der ersten 2000-Watt-Areale der Schweiz gebaut, viele günstige Wohnungen erstellt und ihre Bewohnerinnen mit einer App vernetzt. Im Osten hat die Stiftung Habitat Wohnraum für Behinderte, Studierende und sozial Benachteiligte geschaffen, Genossenschaftsgründungen angeregt und kollektiv den Hofraum gestaltet. Dazwischen liegt der Erlenmattpark. Gekonnt fügt er alte Bahnrelikte wie Gleise und Betonplatten zu urbanem Mobiliar und entwickelt sich auf sechs Hektaren scheinbar stufenlos vom Menschenpark zum Naturschutzgebiet.

Erlenmatt-Areal, 1996–2025
Fläche: 19,1 ha (Bauzonen 9,1 ha, Grünzonen 5,7 ha, Plätze und Strassen 4,3 ha)
Bruttogeschossfläche: 217 000 m²
Ausnützung insgesamt: 1,14
Ausnützung Baufelder: 2,3
Nutzung Endzustand: 3000 Einwohner, 800 Arbeitsplätze, 1127 Parkplätze
Investitionen: ca. 850 Mio. Fr. privat, ca. 180 Mio. Fr. öffentlich
Bebauungsplan: Ernst Niklaus Fausch, Zürich
Planungsgeschichte: erster städtebaulicher Wettbewerb 1996 / 97, erster Mitwirkungsprozess ab 1997, zweiter städtebaulicher Wettbewerb 2001 / 02, zweiter Mitwirkungsprozess ab 2002, Referendum 2004, Rechtskraft Bebauungsplan 2005, Revision Bebauungsplan 2014

Erlenmatt West
Zwischeninvestor: Bricks, Basel
Entwicklung und Bau: Losinger Marazzi, Basel
Gesamtinvestition: Fr. 240 Mio.
Energie: Minergie, 100 % erneuerbare Fernwärme, 2000-Watt-Areal in Betrieb
Nutzung: 637 Wohnungen (inkl. Eigentum und Alterswohnungen), 130 Arbeitsplätze, 360 Parkplätze, öffentlicher Kindergarten

Erlenmatt Ost
Besitzerin: Stiftung Habitat, Basel
Regelwerk: Atelier 5, Bern
Gesamtinvestition: keine Angaben
Nachhaltigkeitskonzept: Nova Energie, Basel; Zimraum, Zürich
Landschaftsarchitektur: SKK, Wettingen
Nutzung: 300 Wohnungen, 100 Arbeitsplätze, 99 Parkplätze

 

Private Bauten
   Bâleo Erlenmatt, 2019
B    Erlentor, 2010
C    Swiss International School
C    Altersheim Senevita, 2014
D    Erweiterung, Projekt
E    Baufeld, 2015
F    Baufeld, 2015
G    Baufeld, 2015
1    Wohnatelierhaus für Kunstschaffende, 2019
2    Zwei Wohnhäuser,  2019
3    Umnutzung Silo, im Bau
4    Studierendenhaus, 2019
5    Stadterle, 2017
6    Wohnbau mit Kindergarten, 2018
7    Sozialwohnbau, 2017
8    Wohnhaus mit betreutem Wohnen und Kindertagesstätte, 2017
9    Erlenflex, 2017

Öffentliche Bauten
10    Quartiertreffpunkt Erlenmatt
11    Trendsporthalle, Projekt
12    Primarschulhaus Erlenmatt, 2017

Freiräume
13    Erlenmattpark, 2010–25
14    ‹Im Triangel›, 2010–25
15     Max-Kämpf-Platz, 2019
16    Erlenmattplatz, 2017

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