Das Grosskapital und die Gutmenschen
Auf dem Basler Erlenmatt-Areal stehen sich zwei Welten gegenüber. Von beiden lässt sich lernen, im guten wie im schlechten Sinn. Bilanz und Ausblick.
Auf der Erlenmatt ist einiges schiefgegangen. Mit einer Ausnützung von 1,14 ist das Areal aus heutiger Sicht viel zu wenig dicht. Bis auf eine alte Kantine, ein Silo und einen Verwaltungsbau machte man Tabula rasa. Publikumsnutzungen fehlen an wichtigen Stellen, die Schule ist quasi im Hinterhof verstaut, und die Architektur ist bisweilen banal. Die Erlenmatt wirkt vorstädtisch. Trotzdem ist das 19 Hektar grosse Areal für 3000 Bewohner und 800 Arbeitsplätze keine reine Fehlplanung. Im Westen haben private Entwickler und Investoren eines der ersten 2000-Watt-Areale der Schweiz gebaut, viele günstige Wohnungen erstellt und ihre Bewohnerinnen mit einer App vernetzt. Im Osten hat die Stiftung Habitat Wohnraum für Behinderte, Studierende und sozial Benachteiligte geschaffen, Genossenschaftsgründungen angeregt und kollektiv den Hofraum gestaltet. Dazwischen liegt der Erlenmattpark. Gekonnt fügt er alte Bahnrelikte wie Gleise und Betonplatten zu urbanem Mobiliar und entwickelt sich auf sechs Hektaren scheinbar stufenlos vom Menschenpark zum Naturschutzgebiet.
Erlenmatt-Areal, 1996–2025
Fläche: 19,1 ha (Bauzonen 9,1 ha, Grünzonen 5,7 ha, Plätze und Strassen 4,3 ha)
Bruttogeschossfläche: 217 000 m²
Ausnützung insgesamt: 1,14
Ausnützung Baufelder: 2,3
Nutzung Endzustand: 3000 Einwohner, 800 Arbeitsplätze, 1127 Parkplätze
Investitionen: ca. 850 Mio. Fr. privat, ca. 180 Mio. Fr. öffentlich
Bebauungsplan: Ernst Niklaus Fausch, Zürich
Planungsgeschichte: erster städtebaulicher Wettbewerb 1996 / 97, erster Mitwirkungsprozess ab 1997, zweiter städtebaulicher Wettbewerb 2001 / 02, zweiter Mitwirkungsprozess ab 2002, Referendum 2004, Rechtskraft Bebauungsplan 2005, Revision Bebauungsplan 2014
Erlenmatt West
Zwischeninvestor: Bricks, Basel
Entwicklung und Bau: Losinger Marazzi, Basel
Gesamtinvestition: Fr. 240 Mio.
Energie: Minergie, 100 % erneuerbare Fernwärme, 2000-Watt-Areal in Betrieb
Nutzung: 637 Wohnungen (inkl. Eigentum und Alterswohnungen), 130 Arbeitsplätze, 360 Parkplätze, öffentlicher Kindergarten
Erlenmatt Ost
Besitzerin: Stiftung Habitat, Basel
Regelwerk: Atelier 5, Bern
Gesamtinvestition: keine Angaben
Nachhaltigkeitskonzept: Nova Energie, Basel; Zimraum, Zürich
Landschaftsarchitektur: SKK, Wettingen
Nutzung: 300 Wohnungen, 100 Arbeitsplätze, 99 Parkplätze
Private Bauten
A Bâleo Erlenmatt, 2019
B Erlentor, 2010
C Swiss International School
C Altersheim Senevita, 2014
D Erweiterung, Projekt
E Baufeld, 2015
F Baufeld, 2015
G Baufeld, 2015
1 Wohnatelierhaus für Kunstschaffende, 2019
2 Zwei Wohnhäuser, 2019
3 Umnutzung Silo, im Bau
4 Studierendenhaus, 2019
5 Stadterle, 2017
6 Wohnbau mit Kindergarten, 2018
7 Sozialwohnbau, 2017
8 Wohnhaus mit betreutem Wohnen und Kindertagesstätte, 2017
9 Erlenflex, 2017
Öffentliche Bauten
10 Quartiertreffpunkt Erlenmatt
11 Trendsporthalle, Projekt
12 Primarschulhaus Erlenmatt, 2017
Freiräume
13 Erlenmattpark, 2010–25
14 ‹Im Triangel›, 2010–25
15 Max-Kämpf-Platz, 2019
16 Erlenmattplatz, 2017
