«Unsere eigene Architektur und Tradition»
Die ETH-Professorin Mariam Issoufou Kamara ist eine der gefragtesten Architektinnen Afrikas. Im Interview spricht sie über Lehmbau, lokale Intelligenz und ihr Heimatland Niger.
Sie führen an der ETH eine Professur für architektonisches Erbe und Nachhaltigkeit. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Mariam Issoufou Kamara: Nachhaltigkeit ist ein fester Bestandteil des architektonischen Erbes, ob in Europa oder anderswo. Vor der industriellen Revolution mussten wir nachhaltige Gebäude entwerfen, die uns auf natürliche Weise vor den Elementen schützen konnten. Aber als wir in der Lage waren, alles zu mechanisieren, haben wir als Architektinnen aufgehört, darüber nachzudenken. Mit dem Ergebnis, dass die Materialien und die Betriebsenergie der Gebäude einen grossen CO2-Fussabdruck haben und den Planeten verschmutzen. Wir müssen bei der Nachhaltigkeit an die Lehren denken, die wir aus der Vergangenheit ziehen können.
Die Architektin Mariam Issoufou Kamara gründete 2014 in Niger das Atelier Masomi. Die 44-jährige ist Mitinitiantin des Architekturkollektivs United4Design. Seit 2022 unterrichtet sie als Professorin an der ETH Zürich. Kamara hat in Niger unter anderem eine Wohnüberbauung, einen regionalen Markt und ein Gemeinschaftszentrum in einer umgenutzten Moschee gebaut. Derzeit plant sie in der Hauptstadt Niamey ein Kulturkomplex und in Monrovia ein Zentrum für Ellen Johnson Sirleaf, die erste Präsidentin Liberias.