Dialektisches Stadtstück
Nicolas de Courten hat mit einer Wohnüberbauung in Lausanne das Konventionelle geschickt mit dem Ungewöhnlichen verbunden. Er gewinnt das Kaninchen, den Senn-Förderpreis für junge Architektur.
«Vielleicht», sagt Nicolas de Courten, «waren die Wohnungstypologien im Wettbewerb noch etwas lustiger.» Der Architekt sagt dies ohne grosses Bedauern, eher als Feststellung. In der Tat liegen gerade in der Regelhaftigkeit und der Konventionalität die massgeblichen Qualitäten der Wohnüberbauung, die Teil des grossen städtischen Neubaugebiets Plaines-du-Loup im Norden von Lausanne ist und den prosaischen Namen ‹Pièce urbaine C› trägt. Wobei man gleich anfügen muss, dass das Regelhafte bei Nicolas de Courten nicht mit unnötiger Rigidität gleichzusetzen ist und dass das konventionelle Wohnungslayout keine Absage an entwerferische Sorgfalt und Präzision bedeutet. Vielleicht müsste man ohnehin differenzieren: Es ist weniger die Regelhaftigkeit allein, die de Courtens Entwurf auszeichnet, sondern die Spannung zwischen Regel und Ausnahme, zwischen Gewöhnlichkeit und Originalität – eine Spannung, die auf vielen Ebenen wirksam wird.
Wohnsiedlung Pièce urbaine C, 2024
Rue Germaine-Ernst, Chemin des Bossons, Lausanne
Architektur: Nicolas de Courten architectes, Lausanne
Bauherrschaft: Fondation Lausannoise pour la Construction de Logements (FLCL), Société Coopérative d’Habitation Lausanne (SCHL), Fondation Pro Habitat Lausanne (FPHL)
Bauleitung: Pragma Partenaires, Lausanne Bauingenieur: AFRY Suisse, Lausanne
Landschaftsarchitektur: DUO Architectes paysagistes, Lausanne
Kosten (BKP 1–9): Fr. 58 Mio.
Nicolas de Courten
Der Architekt Nicolas de Courten (39) studierte an der EPF Lausanne, an der Royal Danish Academy in Kopenhagen und an der ETH Zürich. Von 2012 bis 2017 war er im Zürcher Büro Esch Sintzel Architekten tätig. 2017 gründete er in Lausanne das Büro Nicolas de Courten architectes.
