Where have you BIM?
Mit grossen Versprechungen angetreten, ist BIM in letzter Zeit etwas von der Bildfläche verschwunden. Ein Grund, Experten zu fragen, wo die digitale Transformation in der Schweizer Baubranche steht.
Vor zehn Jahren publizierte Hochparterre das erste von zwei Themenheften zur damals neuen Arbeitsmethode ‹Building Information Modeling› (BIM). «Ich bin gespannt, wie die BIM-Bilanz in ein paar Jahren aussehen […] wird», sagt Lorenz I. Zumstein, damals Projektleiter bei Jessenvollenweider, im Themenheft ‹Das informierte Modell›, erschienen im Juni 2015. Heute ist Zumstein Stadtbaumeister von Rheinfelden und sagt: «BIM ist aus Sicht der Kleinstadt noch sehr weit weg und spielt fast keine Rolle.» Bei der Lektüre des erwähnten Themenhefts fällt eine Reihe von Versprechen auf, deren Erfüllung sich die Branche erhofft hat. Mit BIM sollen Fehler bereits in der Planung und nicht erst auf der Baustelle ausgemerzt werden können. BIM soll helfen, Kosten und Termine im Griff zu haben. BIM soll die Zusammenarbeit der an einem Bau beteiligten Parteien fördern. Und gerade die Architektinnen und Architekten wollen von der Technologie profitieren, mehr Einfluss auf die Projekte haben und mehr Zeit für den Entwurf bekommen. Also, wo stehen wir denn gegenwärtig mit der Technologie BIM und der digitalen Transformation in der Schweizer Baubranche? Fünf Experten aus verschiedenen Branchen und Perspektiven geben Auskunft, welche Errungenschaften und Enttäuschungen die vergangenen zehn Jahre gebracht haben, was der nächste Schritt sein muss und was die Zukunft bringt.
Ernüchterung und Frust
Um es vorwegzunehmen: Nach ersten Hype-Jahren ist es ruhiger geworden um BIM, eine gewisse Ernüchterung bis hin zur Enttäuschung hat Einzug gehalten. Einer, der das mit Zahlen belegen kann, ist Sandor Balogh, CEO der Kollaborationsplattform Smino. Er hat die Projekte auf seiner Plattform ausgewertet: 2022 wurden nur gerade 5 Prozent der Projekte mit BIM umgesetzt. Ein Jahr später waren es ganze 29 Prozent, 2024 verzeichnet einen Rückgang auf 23 Prozent, und im laufenden Jahr scheint sich der Wert bei 23 Prozent zu stabilisieren. Trotz klarer Nutzen für die Architekturbüros, etwa bei der Kollisionsprüfung, sei die neue Arbeitsmethode bei ihrer Einführung überladen worden, sagt Balogh. Vom Wettbewerb bis zum Facility Management habe die Branche Optimierungen im Prozess erwartet. Das habe bei vielen Architektinnen inzwischen zu viel Frust geführt, und so würden viele Büros bei den bewährten Arbeitsprozessen bleiben und auf die Umstellung und die damit einhergehenden Investitionen verzichten.
Von dieser Enttäuschung berichtet auch Maximilian Vomhof. Der Architekt und Digitalisierungsexperte hat kürzlich das Unternehmen ‹anytwo› gegründet, mit dem er digitale Tools für Büros und Institutionen entwickelt. Aktuell ist eine Applikation zum Nachhaltigkeitsmonitoring mit der Stadt Zürich in der Mache. Ernüchtert ist er vor allem darüber, wie viel Geld in den vergangenen zehn Jahren in Technologie und Beratung investiert wurde, «ohne dass sich für die Architektinnen und Architekten in den Büros etwas verbessert hat».
Datenmanagement und Kollaboration
Pessimistisch ist Vomhof deswegen nicht. Die grösste Errungenschaft von BIM sei, dass «inzwischen allen klar ist, dass die Qualität der Daten entscheidend ist. Denn nur wenn die Daten gut genug sind, werden sie auch verwendet und können so einen Mehrwert schaffen – wenn alte Prozesse bestehen bleiben und BIM-Modelle parallel entstehen, ist der Mehraufwand ohne Mehrwert offensichtlich.» Die Vorteile des digitalen Planens seien gerade für Architekturbüros gross, wenn der Fokus auf Effizienz gelegt wird: Sie könnten damit ihre Marge verbessern, Wissen im Büro bewahren und attraktiv für Talente bleiben. Momentan bestehe in Sachen BIM eine Diskrepanz zwischen technischen Möglichkeiten und praktischer Umsetzung, dieser Prozess brauche seine Zeit.
Hilfreiche Tools
Auf der unabhängigen Plattform ‹swissBIM› findet die Baubranche Artikel, Veranstaltungen und weiterführende Links zum Thema digitale Transformation. ‹swissBIM› teilt aktuelles Wissen rund um smartes Planen, Bauen und Betreiben und bringt Fachleute aus der Bauindustrie zusammen. Gleichzeitig sucht die Plattform nach Expertinnen, die die Website mit Beiträgen unterstützen. swissbim.ch
Der Verein ‹buildingSMART Switzerland› hat seinen ‹Use Case Management Service› aktualisiert. Die neu entwickelte Website präsentiert Anwendungsbeispiele als Basis für alle, die Informationen bestellen oder anbieten. Der UCM-Service unterstützt diesen Prozess, indem er etablierte und praxiserprobte Grundlagen bereitstellt. ucm.buildingsmart.org
Digitales Informationsmanagement
Der Artikel 2.7 der überarbeiteten SIA-Norm 102:2024-11 regelt die Verarbeitung und den Austausch von Daten und Informationen und verankert das digitale Informationsmanagement damit in der Ordnung für Leistungen und Honorare der Architektinnen und Architekten. «Die Leistungen des digitalen Informationsmanagements sind in jedem Fall frühzeitig und aufgabenbezogen festzulegen und zu beauftragen», heisst es im Absatz 2.7.3., und der folgende Absatz listet auf, welche Leistungen im Rahmen eines Projekts erbracht werden müssen. Über die Freigabe der Norm wird voraussichtlich 2026 entschieden.
