Ein Labor der Postmoderne
Die Vielfalt postmoderner Architektur zeigt sich exemplarisch im Kanton Zug und regt zur Diskussion über den Umgang mit diesem Erbe an. Doch ausgerechnet dort ist es fast schutzlos der Abrissbirne ausgesetzt.
In den 1980er Jahren konzipierte das renommierte Zuger Büro Hafner Wiederkehr Partner das Einkaufszentrum Metalli als «Stadtquartier» - und somit als Gegenentwurf zur Mall im Grünen. Mit seiner Wiederaufnahme der Blockrandtypologie, den offenen Plätzen und Arkaden und der ins 19. Jahrhundert schielenden Glasgalerie sowie sehr bewusst zeichenhaften und teils spielerischen Ausformulierungen ist es ein prototypisches Werk der Postmoderne. Die Dichte der zeittypischen Elemente – von der städtebaulichen Gestik mit dem Fokus auf Fussgänger:innen bis hin zu illusionistischen oder bewusst zeichenhaft formulierten Elementen gibt der Metalli für die Postmoderne Architektur der Schweiz gar eine überregionale Bedeutung. Just diesem Beispiel geht es jetzt aber insoweit an den Kragen, als dass der geplante neue Bebauungsplan – unter dem Vorzeichen der Verdichtung – den für Zug identitätsstiftenden Blockrand aufsprengen will. Dabei war es zur Bauzeit ein erklärtes Ziel, von der Idee des Punkthochhauses wegzukommen und die Stadtsilhouette mit geschlossenen Formen wieder zu beruhigen.
Über den Autor
Cyril Kennel ist Design- und Architekturhistoriker. Er unterrichtet Kulturgeschichte für Designer:innen an der Zürcher Hochschule der Künste, forscht zur postmodernen Architektur in der Deutschschweiz und ist Autor des Führers «Bern postmodern. Wege aus der Monotonie?» des Vereins Baukulturen Schweiz.
Weiterführende Literatur
https://www.zuginderwelt.ch/artikel/zug-mit-steuern-steuern-2/
Medienmitteilung des Kanton Zug vom 25.9.2018: Inventarrevision der schützenswerten -denkmäler abgeschlossen: https://zg.ch/news/news~_2018_6_inventar-schuetzenswerter-denkmaeler-in-oberaegeri-vollstaendig~.html
Stellungname des Zuger Heimatschutz zum Bundesgerichtsentscheid: https://www.zugerheimatschutz.ch/aktuelles-detail/bundesgericht-kippt-70er-jahre-klausel