Stimmungsvoller Kopfbau, nüchterne Laborwelt
Beim Wettbewerb für das Zentrum für Labormedizin in St. Gallen suchen Christ & Gantenbein mit modischen Mitteln und Baumaterialien nach einer nachhaltigen Architektur.
Beim Studium der selektiven oder eingeladenen Wettbewerbe, an denen die Bürogrössen der Schweiz teilnehmen, kann einen zuweilen das Gefühl beschleichen, unsere Zeit habe keine eigene Sprache. Ähnlich der Zeit des Historismus können sich die Autoren ganz nach Lust und Laune gleichermassen leichtfüssig und direkt an den Bildern vergangener Epochen bedienen. So werden den Häusern verschiedene Kleider übergezogen, und man staunt, wie vielfältig die Entwürfe für die gleiche Aufgabe ausfallen. Etwas anders liegen die Dinge beim selektiven Wettbewerb des Zentrums für Labormedizin in St. Gallen. Aufgabe und Ort scheinen eine gewisse – zumeist gläserne – Nüchternheit hervorzubringen. Die Aufgabenstellung bot sowohl programmatisch als auch städtebaulich nicht viel Spielraum. Abgesehen vom viertplatzierten Projekt, das eine Hülle aus Einsteinmauerwerk vorweist, dominieren bei den rangierten Projekten gerasterte Fassaden mit einem enormen Glasanteil. Laut Aussage der Jury bedingt dies während den Sommermonaten grösstenteils eine Kühlung der Laborbereiche. Dies steht offensichtlich im Kontrast zur Forderung und Behauptung nachhaltiger Architektur.
Zentrum für Labormedizin, St. Gallen
Projektwettbewerb im selektiven Verfahren mit 12 Teilnehmern
Veranstalter: Zentrum für Labormedizin, St. Gallen
Wettbewerbsbegleitung: Strittmatter Partner, St. Gallen
Fachjury: Werner Binotto, Ursina Fausch, Lorenzo Giuliani, Monika Jauch-Stolz, Hanspeter Woodtli ( Ersatz )
– 1. Rang: Christ & Gantenbein, Basel
– 2. Rang: Knorr & Pürckhauer Architekten, Zürich
– 3. Rang: Morger Partner Architekten, Basel
– 4. Rang: Andy Senn Architekt, St. Gallen
– 5. Rang: Caruso St. John Architects, Zürich
– 6. Rang: Gähler Flühler Architekten, St. Gallen
Weitere Teilnehmer:
– Annette Gigon / Mike Guyer, Zürich
– Corinna Menn und Philippe Meyer architecte, Chur
– Graber Pulver Architekten, Zürich
– Baumschlager Eberle, St. Gallen
– Ilg Santer Architekten, Zürich
– Nissen Wentzlaff Architekten, Basel