Das denkmalgeschützte Gebäude der Schule für Gestaltung in Bern wird gesamtsaniert.
Im Auftrag von Wicona

Vorzeigeprojekt der Kreislauffähigkeit

Die sanierte Fassade der Schule für Gestaltung in Bern verbindet den Denkmalschutz mit den energetischen Standards eines Schulbetriebs. Die Planer haben einen geschlossenen Kreislauf für den Werkstoff Aluminium

«Die Schule für Gestaltung besticht durch die klare Gliederung in den abstrakten Hochbau mit zurückversetzter Attika, den Sockelbau mit den markanten Brüstungselementen sowie das frei gestaltete Erdgeschoss mit der Aula und den umlaufenden Terrassen», schreibt das Architekturbüro Bünzli & Courvoisier auf seiner Website. Das Architekturbüro ist daran, die in den Jahren 1968 bis 1971 erbaute Kunstgewerbeschule von Willy Pfister und die 1940 eingeweihte Gewerbeschule von Hans Brechbühler zu sanieren. Dabei erhalten die beiden denkmalgeschützten Gebäude auch eine neue Fassade. Das markante Erscheinungsbild der ursprünglichen Wendefenster soll erhalten bleiben, gleichzeitig muss die Fassade die technischen und energetischen Standards bei einem zeitgemässen Schulbetrieb erfüllen. Für die Umsetzung zeichnet das Fassadenplanungsbüro Bardak verantwortlich. «Die grösste Herausforderung bestand darin, eine Lösung zu entwickeln, die den strengen Vorgaben der Denkmalpflege entspricht – in Geometrie, Proportion und charakteristischer Farbgebung der Oberfläche – und zugleich wichtige Funktionen wie Beschattung, Lüftung und Wärmeschutz integriert», erklärt Thierry Villavieja, Projektleiter beim Planungsbüro Bardak.

Die neue Fassade muss die technischen und energetischen Standards des Schulbetriebs erfüllen.

Das denkmalgeschützte Gebäude der Schule für Gestaltung in Bern wird gesamtsaniert.

Gemeinsam mit der Firma Wicona und in enger Abstimmung mit Architekten, Bauherr und Denkmalpflege haben die Fassadenplaner ein spezielles Verbund-Wendefenster entwickelt. Dabei werden ein innerer und ein äusserer Flügel über einen gemeinsamen Drehbeschlag mechanisch verbunden. Die beiden Flügel lassen sich synchron um eine vertikale Achse drehen – jeweils mittig gelagert. In der dazwischenliegenden Kavität ist ein motorisierter Sonnenschutz verbaut, der sich witterungsgeschützt und wartungsarm betreiben lässt. Eingebunden ist das Wendefenster in eine geschosshohe Elementfassade, die auf dem Wicona-System ‹Wictec El Evo› basiert. In die opaken Bereiche haben die Techniker Photovoltaik-Module integriert, die optisch auf die Brüstung abgestimmt sind. Damit das Projekt von der Denkmalpflege genehmigt werden konnte, erstellten die Planer ein Mock-up der vorgeschlagenen Fassadenlösung. Anschliessend wurde ein voll funktionsfähiges Element im Wicona-Testcenter in der deutschen Gemeinde Bellenberg aufgebaut und im Rahmen einer bauphysikalischen Prüfung abgenommen und zertifiziert. Die nachgewiesenen Leistungswerte bildeten die Grundlage für die Freigabe der Konstruktion. Thierry Villavieja erklärt: «Die objektspezifische Lösung sichert mit einem Uw-Wert von 1,03 W/m2K eine hervorragende Energieeffizienz.» Auch im Hinblick auf Luftdurchlässigkeit (Klasse 4 nach EN 12207), Schlagregendichtheit (Klasse E1200 nach EN 12208) sowie Beständigkeit gegen Windlasten (Klasse C5/B5 nach EN 12210) erreicht die Sonderkonstruktion hervorragende Werte.

Die alten Aluminium-Fassadenelemente werden von Geilinger ausgeglast und demontiert.

Noch vor Ort werden die Fassadenelemente nach den Wertstoffen getrennt.

Zum ersten Mal in der Schweiz konnte für den Werkstoff Aluminium ein geschlossener Kreislauf umgesetzt werden. In einem ersten Schritt hat der Zürcher Fassadenbauer Geilinger die alte Fassade bis auf den Rohbau rückgebaut. «Wir haben den Rückbau und die Wiederverwertung in unserem Angebot für die neue Fassade mitberücksichtigt und gemeinsam mit Wicona umgesetzt. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll für alle Beteiligten», erklärt Alessandro Chidichimo, Geschäftsführer der Firma Geilinger. Rund 50 Tonnen alte Aluminiumprofile wurden aufbereitet. Das gewonnene Material besteht zu mindestens 75 Prozent aus rezykliertem End-of-Life-Aluminum und verfügt über einen Fussabdruck von 1,9 Kilogramm CO₂ pro Kilo Aluminium. «Das ist rund 3,5-mal weniger im Vergleich zu Primär-Aluminium im europäischen Verbrauchermix», hält Javier Pascual, Verkaufsleiter bei Wicona Schweiz, fest. «Die Schule ist ein echtes Vorzeigeprojekt für uns und die Stadt Bern. Wir konnten nicht nur eine technisch und gestalterisch anspruchsvolle Lösung umsetzen, sondern auch unser Know-how in Kreislaufwirtschaft einbringen», unterstreicht Pascual. Die Montage der neuen Fassadenelemente soll bis Ende August 2026 abgeschlossen sein, der Schulstart ist auf den Sommer 2027 geplant. 

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Kommentare

Andreas Konrad 23.12.2025 23:55
Tötet eure Götter! Die Berner Kunstgewerbeschule, auch wenn Pfister dransteht, versprüht den Charme eines Versicherungsbau in Detmold oder Oberentfelden - bieder, belanglos - und erinnert mit seinem Verwaltungscharme an all die Bundesbauten, die sich in den 70-er Jahren in der Bundeshauptstadt eingeschlichen haben. Krakengleich schlugen sie mit ihrem scheusslichen, niedergestaltigem Klötzliwahn in die liebliche Stadt ein, die sich, wenn auch rechtlich nichtig, Hauptstadt schimpft. So unter anderem das «Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit», dessen Name schon nach Kernseife, öden Ordnern und Waschbetonfassade riecht. Leider hat man es versäumt, an der prominenten Lage der Kunsti einen Neubau auszurufen - nichts liegt dem kreativen Kopf ferner, als sich die jungen Jahren in dieser schrecklichen Schachtel auszutoben. Reisst das Ding nieder!
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