Minergies neuer Standard für Netto-Null-Gebäude wurde am 12. März in Zürich lanciert.
Im Auftrag von Minergie

Netto Null greifbar gemacht

Vermeiden, speichern, ausgleichen: Der neue Minergie-Standard «Netto-Null» setzt bei allen Hebeln der Treibhausgasreduktion an. Mitte März hat der Verein den neuen Standard lanciert.

Architekt*innen suchen nach klaren Regeln für den Bau von Netto-Null-Gebäuden. Nun liefert der Verein Minergie dafür einen prüfbaren Standard. «Minergie-Netto-Null» bilanziert die Lebenszyklusemissonen und bringt den im Bauwerk gebundenen Kohlenstoff in Abzug. Die restlichen Emissionen gleicht der Standard über Zertifikate aus. Machbarkeit und Qualitätssicherung werden vereint.

Ein Haus, das CO₂ atmet
Stellen wir uns ein Bürogebäude vor, dessen Massivholzfassade CO₂ speichert, dessen Solarpaneele den Energiehaushalt optimieren und dessen dichte Hülle, kombiniert mit smarter Ventilation, den Betrieb emissionsfrei hält. «Minergie-Netto-Null» macht all das messbar: Über einen definierten Lebenszyklus von 60 Jahren hinweg werden Treibhausgasemissionen aus Errichtung und Nutzung erfasst, gespeicherter Kohlenstoff abgezogen und die Restemissionen mit Zertifikaten für Technologien ausgeglichen, die CO₂ dauerhaft aus der Atmosphäre ziehen.

Minergie-Netto-Null: Bilanz über den Lebenszyklus des Gebäudes.

Beim Neubau basiert das Label auf einem Minergie-P/-A-ECO-Standard, für Sanierungen genügt der Minergie-Standard – immer mit strengen Grenzwerten für die grauen Emissionen. Der dreistufige Ansatz des Standards – vermeiden, speichern, ausgleichen – integriert sich nahtlos in Entwurfsprozesse, kompatibel mit SNBS. «Vermeidung allein reicht nicht. Um die beschlossenen Netto-Null-Ziele zu erreichen, müssen wir den nächsten Schritt gehen», erklärt Andreas Meyer Primavesi, Geschäftsleiter von Minergie. Die Kosten für Negativemissionen betragen rund 250 Franken pro Tonne CO₂ und werden direkt in Technologien investiert.

Planbare Pionierleistung
Hohe Hürden, reale Machbarkeit: «Nur wenige Gebäude werden den Standard erreichen», räumt Meyer Primavesi ein – genau das zieht Vorreiter an. Bereits 2026 sei der Standard strenger als künftige Gesetze und dabei finanziell tragbar – ein Vorteil für Büros, die mit ressourceneffizienten Konzepten und optimierter Gebäudetechnik punkten wollen. Fabian Peter, Minergie-Präsident und Luzerner Regierungsrat, drängt: «2050 kommt rasch, die Kantone brauchen Lösungen.»

Der Standard baut auf dem Kern von Minergie auf: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, automatischer Luftaustausch, sommerlicher Wärmeschutz, Monitoring. Nach Zertifikatserwerb gilt die Null-Bilanz 60 Jahre lang – ein Versprechen an Bauherrschaften, gesichert durch klare Grenzwerte und die Auszeichnung.

Kalkuliertes Handeln
Kritische Stimmen bemängeln hohe Bruttoemissionen sowie die zu laxen Abzüge für den Einsatz von Holz. Doch die robuste Bilanzierung, der Fokus auf Carbon Removal und der Emissionspreis sind echte Fortschritte. Die Ausgleichskosten von ein bis zwei Prozent der Bausumme mögen Bauherrschaften zögern lassen, doch sie erzwingen genau die Vermeidung, die Architekt*innen fordern: emissionsarme Stoffe statt teurer Zertifikate. Richtig gerechnet ist hier richtig gehandelt – ein machbarer Auftakt zu systemischer Veränderung.

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