Aluminium als Werk- und Wertstoff verstehen.
Im Auftrag von WICONA - Hydro Building Systems

Zirkuläres Bauen mit Aluminium

Beim Brownbag-Lunch zeigten die Referierenden, wie Aluminium im zirkulären Einsatz funktioniert und welche Bedeutung Rückbau, Sortierung und Kooperation künftig für die Branche gewinnen.

In der Baumuster-Centrale Zürich stand der Brownbag-Lunch dieses Mal unter dem Titel «Wandelbare Substanz» und rückte Aluminium im Werkstoffkreislauf ins Zentrum. Gastgeber Björn Siegrist eröffnete den Anlass mit der Aufforderung, Gebäude als Materiallager zu verstehen und leitete damit zu den Kernfragen der Mittagsveranstaltung über: Wie wird Aluminium wiederverwendet und welche Vorteile birgt das Metall?

Matthias Elmer von Aepli Metallbau erklärt den Kreislauf von Aluminium.

Vom Rückbau zur neuen Fassade

Den ersten Kurzvortrag bestritt Matthias Elmer, CEO von Aepli Metallbau. Auf seiner Startfolie: das Haus zum Falken von Santiago Calatrava, dessen Fassade Aepli Metallbau an rezykliertem Aluminium realisierte. Der gelernter Metallbauer spannte den Bogen vom Rückbau bis zur erneuten Montage. Er zeigte den Zyklus des Metalls als klaren Ablauf: Sondieren, Analysieren, Demontieren, Sortieren, Zerkleinern, Einschmelzen, Bolzengiessen und schliesslich Rückführung in die Produktion. Aluminium, so Elmer, lasse sich unendlich oft wiederverwerten und benötige im Recycling lediglich fünf Prozent der Energie von Primäraluminium – «Aus einer Fassade wird wieder eine Fassade.».

Nachhaltigkeitsexperte Philipp Müller von Wicona by Hydro zum aktuellen Forschungsstand.

Schrott ist nicht gleich Schrott

Den wissenschaftlichen Unterbau lieferte danach Philipp Müller, Nachhaltigkeitsexperte bei Wicona by Hydro. Er stellte die europäische Gesetzgebung zu kritischen Rohstoffen ins Zentrum und erklärte, weshalb die Kreislaufwirtschaft in den kommenden Jahren wichtig bleiben wird. Ausgehend von Elmers Zyklus ergänzte Müller eine weitere Schlaufe: die Kooperation mit Lieferanten, die für sein Unternehmen entscheidend ist, um Materialströme nachvollziehbar zu machen und im Kreislauf zu halten. Unter dem Motto «Schrott, Wertstoff, Werkstoff» erläuterte er den Unterschied zwischen Post-Consumer-Schrott, etwa alten Fenstern, Türen und Fassaden und Pre-Consumer-Schrott aus Produktionsabfällen. End-of-Life-Material aus dem Gebäudebestand gewinne stark an Bedeutung. Gleichzeitig zeigten die Daten: Der Aluminiumverbrauch steigt seit Jahren, die Emissionen hingegen bleiben konstant. «Trotz Wachstum unter dem Höchststand», betonte Müller.

Ein zentrales Anliegen war Müller, dass Aluminium in der Baubranche bleibt und nicht in minderwertige Anwendungen, wie zum Beispiel in der Autoindustrie, «downgegradet» wird. Er verwies auf Projekte wie das Omega-Haus in Frankfurt, dessen Rückbau verhindert wurde und dessen Fassade heute aus rezyklierten Profilen besteht. Ausführlich nachzuhören im Podcast «Bestand wird Ressource – Zirkuläres Bauen am Omega Haus in Offenbach» von Architektourist.

Marco Leusciatti, Country Manager von Wicona by Hydro blickte auf die Schweiz.

Blick in die Schweiz

Als dritter Referent knüpfte Marco Leusciatti, Country Manager von Wicona by Hydro, an Müllers Daten an. Er erinnerte daran, dass 39 Prozent der globalen CO₂-Emissionen aus der Baubranche stammen und 30 Prozent des weltweiten Abfalls im Bausektor anfallen.

Leusciatti zeigte Beispiele aus der Schweiz, wo der Kreislauf bereits gelebt wird. Rezykliertes Aluminium ermögliche hochwertige Architektur ohne gestalterische Abstriche. Das belegte er mit zwei Projekten: dem Amt für Umwelt und Energie in Basel, dessen bekannte Photovoltaik-Fassade von rezykliertem Metall gehalten wird, und dem Kinderspital Zürich, das dieses Jahr bei Hochparterres Auszeichnung die Besten mit dem goldenen Hasen in der Kategorie Architektur prämiert wurde.

Die drei Kurzvorträge verdeutlichten: Aluminium ist längst ein zentraler Rohstoff der Kreislaufwirtschaft. Allerding müssen Rückbau, Sortierung, Kooperation und architektonischer Anspruch ineinander greifen. Zusammengefasst: Substanz bleibt wandelbar, wenn man sie im Kreislauf hält.

KONKRET – BROWNBAG-LUNCH «Wandelbare Substanz» zum Nachschauen.

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