Beton warm wie Jurakalkstein
Am Brownbag-Lunch in der Baumuster-Centrale Zürich zeigten Burkhard Meyer Architekten und Schnetzer Puskas Ingenieure wie die Fassade aus Kalksteinbeton die neuen Bahnhofsgebäude in Liestal zum Ensemble macht.
Beton ist nicht gleich Beton und schon gar nicht ist er immer grau. Dies die Kernbotschaft des Brownbag-Lunch ‹Lokalkolorit›, der Anfang Juli in der Baumuster-Centrale Zürich stattgefunden hat. Geladen hatte Ammocret-Kalksteinbeton von Holcim Kies und Beton AG, um den besonderen Beton vorzustellen, der an der Fassade von zwei Neubauten auf dem Bahnhofsareal in Liestal zum Einsatz gekommen ist. Das anwesende Publikum erfuhr, wie das Architekturbüro Burkhard Meyer in Zusammenarbeit mit dem Ammocret-Team und den Ingenieuren von Schnetzer Puskas dem Ensemble seine spezifische Erscheinung verpassen konnte.
Alex Vögeli vom Ammocret-Team führte dem Publikum vor, wie der Kalksteinbeton hergestellt wird. Im Steinbruch Mellikon bei Zurzach wird der Kalkstein gesprengt, vorsortiert und vorgebrochen. Die so entstandenen Schroppen werden ins Holcim Werk Eiken transportiert, dort ein halbes Jahr zwischengelagert und danach die mindere Qualität ausgesiebt. Die verbleibende Gesteinskörnung wird wiederum gebrochen, gewaschen und in Einzelkomponenten ausgesiebt. In der Betonanlage werden diese mit Weisszement, Puzzolan und Zusatzmittel zu Transportbeton gemischt. Mit dem Fahrmischer wird der Beton auf die Baustelle zur Verarbeitung geliefert. Der Ammocret-Kalksteinbeton hat einen tiefen Zementgehalt. Durch den klinkerreduzierten Zement und durch die Beigabe von Puzzolan kann der CO2-Ausstoss reduziert werden.
Der Ammocret-Kalksteinbeton lässt sich wie herkömmlicher Beton einsetzen und verarbeiten, er bringt aber deutlich mehr Gestaltungsspielraum mit. Durch verschiedene Schalungsformen und -materialien oder durch Bearbeitungstechniken wie Stocken, Spitzen, Schleifen, Waschen oder Kratzen: Die Oberfläche wird zum Blickfang. So erhält jedes Bauprojekt seinen ganz eigenen Charakter, ganz nach den Vorstellungen des Bauherrn. Diese Eigenschaft haben sich Burkhard Meyer Architekten für die beiden Neubauten beim Bahnhof Liestal zunutze gemacht. Ein viergeschossiger Längsbau ist über ein Zwischendach mit einem siebenstöckigen Wohn- und Geschäftshaus verbunden. Die massiven Teile der Fassade wurden in Kalksteinbeton mit Weisszement ausgeführt. Die geschalte, glatte Fassade ist mit gespitzten Flächen durchsetzt. So stellt das Material über den verwendeten Jurakalk einerseits einen Bezug zur Region her, macht andererseits aus den zwei Gebäuden und dem Verbindungsbau ein erkennbares Ensemble, erläuterte Andreas Signer, projektverantwortlicher Architekt und Partner bei Burkard Meyer. Die Brüstung im ersten Stock verläuft fugenlos über 115 Meter und bringt die drei Gebäude zusammen.
Der Kalksteinbeton vereint die Vorteile von Beton mit dem warmen Grundton des Kalksteins. Damit er seine ästhetische Qualität an der Fassade ausspielen kann, sei eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Architektur- und dem Ingenieurbüro, dem Betonhersteller und der Bauunternehmung notwendig, erklärten die Referenten aus ihrer Erfahrung. In Liestal half ein Mockup zu simulieren, wie der Beton eingebracht und verarbeitet wird und wie die gewünschten Farbnuancen und Texturen erschaffen werden können.