Der Gebäudetyp E soll Abhilfe schaffen gegen komplizierte Baunormen. Was ist dran am Konzept des einfachen Bauens? Auf Spurensuche in Deutschland und der Schweiz.
Einfach nur besser?
Der Gebäudetyp E soll Abhilfe schaffen gegen komplizierte Baunormen. Was ist dran am Konzept des einfachen Bauens? Auf Spurensuche in Deutschland und der Schweiz.
Fotos: Patric Sandri
«Zur Herbeiführung seines Ziels nicht geeignet»; «mit dem Demokratieprinzip nicht vereinbar»: Die Urteile der Richter am deutschen Bundesgerichtshof über den Gesetzesentwurf zum Gebäudetyp E sind vernichtend ausgefallen. Dabei ist er so etwas wie der grosse Hoffnungsträger in der deutschen Bauwelt. Und nicht nur dort – auch in der Schweiz findet das Konzept in Fachkreisen immer mehr Zustimmung, soll ein Gebäudetyp E doch das Bauen erleichtern, vor allem das Bauen im Bestand. ‹E› steht dementsprechend für ‹einfach› und ‹experimentell› und bedeutet, dass Architektinnen und Bauherren partnerschaftlich auf Normen verzichten können, ohne dafür verklagt zu werden. Doch nachdem die Bundesrichter Ende 2024 ihr Urteil gefällt hatten, titelte die deutsche Zeitschrift ‹Wirtschaftswoche›, die den Gebäudetyp bereits zuvor als «Rohrkrepierer» bezeichnet hatte, lapidar: «Der Gebäudetyp E ist tot».
Ein Vergleich zwischen Deutschland und der Schweiz ist interessant, weil er zeigt, wie sehr die beiden Länder sich im Umgang mit Baunormen unterscheiden. Und er verdeutlicht: Es tut sich was in Sachen einfaches Bauen. Nach Jahren des Lamentierens über die zahllosen Normen werden nun Tatsachen geschaffen oder zumindest angekündigt – wie im Koalitionsvertrag der neuen Regierung in Deutschland. Nach «tot» klingt das nicht unbedingt. Bindende Empfehlungen in Deutschland Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz steht für die Befürworter des Gebäudetyps E fest: Bauen ist kompliziert geworden. Die Baunormen, Vorgaben und Regeln sind zahlreich, und der Umgang mit dem Bestand ist schwierig. Dabei ist gerade Letzteres ausschlaggebend, wenn ein Land seine Klimaschutzziele erreichen will. Schliesslich steckt in alten Gebäuden enorm viel graue Energie, die durch Abriss vernichtet wird. Doch nach wie vor orientiert man sich am Neubau und verlangt von alten Gebäu...
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