Sie gehört zu den am meisten unterschätzten Häusern der Moderne. Die Villa Beer ist das Hauptwerk des Architekten Josef Frank in Wien. Nun können Besucher die einzigartigen Raumfolgen erleben.
Die Villa Beer als Weg und Platz
Sie gehört zu den am meisten unterschätzten Häusern der Moderne. Die Villa Beer ist das Hauptwerk des Architekten Josef Frank in Wien. Nun können Besucher die einzigartigen Raumfolgen erleben.
Fotos: Hertha Hurnaus
Villa Savoye, Villa Tugendhat, Haus Müller – die Ikonen bürgerlich-modernen Wohnens von Corbu, Mies, Loos, alle um 1930 gebaut. Ein Haus fehlt in diesem Reigen: die Villa Beer in Wien. Josef Frank baute sie zusammen mit Oskar Wlach für den Unternehmer Julius Beer und seine Frau Margarethe. Nach dem frühen Verkauf wurde das Haus in fünf Wohnungen aufgeteilt und bis 2008 bewohnt. Nach jahrelanger Forschungs- und Restaurierungsarbeit ist es ab März erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. Sorgfältig wiederherstellt betreibt eine Stiftung es als «Ort der Kultur, Forschung und Bildung».
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Zwischen Le Corbusier und Loos
«Wie tritt man in den Garten ein? Wie sieht ein Weg zum Haustor aus? Wie öffnet man ein Haustor? Welche Form hat ein Vorraum? Wie kommt man vom Vorraum an der Garderobe vorbei ins Wohnzimmer? Wie liegt der Sitzplatz zu Tür und Fenster? Wie viele solche Fragen gibt es, die beantwortet werden müssen und aus diesen Elementen besteht das Haus. Das ist moderne Architektur.» Josef Frank (1885-1967), der diesen Weg in und durch ein Gebäude 1931 beschrieb, ist unter den Architekten der Klassischen Moderne der grosse Unbekannte – und, wie die Zeilen zeigen, einer der menschlicheren. Zwar war auch er Gründungsmitglied der CIAM und hat 1932 die Werkbundsiedlung in Wien initiiert. Doch schon sein Haus auf der berühmten Stuttgarter Weissenhofsiedlung hatten strengere Zeitgenossen 1927 als «Bordell» beschrieben – Textilien, Teppiche, lose Polster! Schon 1934 musste er nach Schweden emigrieren. Dort entwarf er für die Firma ‹Svenskt Tenn› Möbel und Stoffe für alle (Ikea avant la lettre) – aber kaum noch Häuser. Das Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK) widmete ihm bereits zwei grosse Ausstellungen, 1981 und 2015, beide co-kuratiert von Hermann Czech. Von Josef Frank kann jede Zeit etwas lernen. Nun also wir.
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