Aus Respekt vor dem Bestand

Burckhardt Architektur hat das Collège Rousseau in Genf erneuert und erweitert. Das Resultat zeugt von handwerklichem Können und Wertschätzung gegenüber dem Bau aus den 1960er-Jahren.

Fotos: Olivier Di Giambattista

Burckhardt Architektur hat das Collège Rousseau in Genf erneuert und erweitert. Das Resultat zeugt von handwerklichem Können und Wertschätzung gegenüber dem Bau aus den 1960er-Jahren.

Das Collège Rousseau in Genf trägt nicht nur den Namen eines berühmten Denkers der Aufklärung. Das brutalistische Betongebäude an der Avenue du Bouchet, 1969 von Alain Ritter erbaut, ist auch ein emblematischer, denkmalgeschützter Zeitzeuge. Der Traufpunkt des ins abfallende Gelände eingebetteten Schulgebäudes durfte damals den Giebel der benachbarten Patriziervilla nicht überschreiten – eine Einschränkung, die das Gesamtvolumen des rechteckigen Bauwerks entscheidend geprägt hat.  Auf zwei verglasten, durch scheibenartige Sichtbetonstützen gegliederten Administrationsgeschossen ruhten ursprünglich zwei Klassenetagen, verkleidet mit vorfabrizierten Betonelementen. Ein quadratischer Hof im Zentrum spendet Licht und bietet Aufenthaltsraum. Das tiefe und doch feingliedrige Fassadenrelief verleiht dem Gebäude elegante Schwere. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass die unversehrte Erscheinung des Gebäudes das Ergebnis fachkundiger Renovationsarbeiten ist. ###Media_2### ###Media_3### Sowohl aussen als auch im Innenraum hat Burckhardt Architektur den Originalzustand des Schulhauses möglichst bewahrt. Zugleich hat das Büro im Zuge der Renovation drei wesentliche Neuerungen eingeführt: Erstens kommt die stringente Rasterung der raumgliedernden Tragstruktur dank des Ersatzes der 70 Zentimeter hohen Abhangdecke durch eine Lamellenstruktur nun deutlich besser zur Geltung. Zweitens ist Burckhardt Architektur durch eine neue Lichtführung eine räumliche Neuqualifizierung gelungen: An den südlichen Enden der Erschliessungskorridore zu den Klassenzimmern sind offene Aufenthaltsbereiche und damit Sichtbezüge zum Aussenraum entstanden. Zuvor besetzten die Klassenzimmer die gesamte Fassade, und die Erschliessung orientierte sich ausschliesslich auf den Innenhof. Drittens hat der verglaste Eingangsbereich durch die Verlegung der Bibliothek vom Erdgeschoss ins Untergeschos...

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